Eigentlich hatte sich Heiko Sakurai ja schon von Angela Merkel verabschiedet. Unser Karikaturist hat die Kanzlerin in den vergangen Jahren immer wieder gezeichnet. Im roten Blazer, die Haare immer gleich geföhnt, manchmal auch mit Raute – man erkannte sie sogar mit der unvermeidlichen Corona-Maske sofort. Sie wirkte mit der rundlichen Figur und den halb geschlossenen Augen immer liebenswert und fies zugleich. Merkel ging in den Ruhestand, Heiko Sakurai Gott sei Dank nicht, wie die Leserinnen und Leser der Berliner Zeitung fast jeden Tag auf unserer Meinungsseite verfolgen können.

Dort kommentiert er die Tagesereignisse mit einem derart treffsicheren Strich, dass mancher Leitartikel darunter fast schon überflüssig wird. Heiko Sakurai ist seit Jahren einer der besten Karikaturisten des Landes. Das weiß auch die Jury des Karikaturenpreises der deutschen Zeitungen. Sie zeichnet ihn am Montagabend mit dem 1. Preis aus – für eine Karikatur, die in der Berliner Zeitung unter dem Titel „Muttis Rückkehr“ erschienen ist.

Darin nimmt Sakurai zeichnerisch das vorweg, was mittlerweile viele politische Beobachter notieren: Die Verschmelzung von Angela Merkel und Olaf Scholz, der als ihr Nachfolger im Amt nicht nur die Raute, sondern offenbar auch den Politikstil der ruhigen Hand übernimmt. Was Sakurai davon hält, ist klar: „Muttis Rückkehr“ ist angelehnt an den Thriller „Psycho“. Auch in Sakurais Zeichnung gibt es das gruselige Haus im Hintergrund. Und dort zeichnet sich in einem Fenster die Silhouette der Alt-Kanzlerin ab. Gruselig!

Heiko Sakurai ist 50 Jahre alt, sieht aber viel jünger aus. Sein erster Kanzler, den er hauptberuflich begleitete, war Gerhard Schröder. Danach kam Merkel und blieb für viele Jahre. Sie wurde sein zeichnerischer Liebling, wie Sakurai mal sagte. Ob das bei Olaf Scholz genauso wird, kann er noch nicht sagen. Klar ist aber, dass sich der SPD-Kanzler auf einen weiterhin fiesen Strich gefasst machen kann.