Berlin - Das, was am Vortag noch als eine heiße Spur in einem nie aufgeklärten, viereinhalb Jahre zurückliegenden Mordfall galt, entpuppte sich schon einen Tag später als Puzzleteil in einem der mysteriösesten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es geht um Polizistenmorde, um Banküberfälle, Hausexplosionen, Selbstmorde und um eine Verstrickung mit der Neonazi-Szene.

Am Freitag der vergangenen Woche ging es schon spektakulär los: Nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach entdeckten Polizisten die verkohlten Leichen der Bankräuber. Die 34 und 38 Jahre alten Männer hätten sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst getötet, hieß es. Neben der Diebesbeute aus verschiedenen Banküberfällen fanden die Beamten in dem Wohnmobil auch zahlreiche Waffen. Unter anderem die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin Michele K. und ihres damals schwer verletzten Kollegen. Der Mord an der Polizistin wurde nie aufgeklärt, umso erfreuter war man bei der Polizei über diese neue Spur.

Wenige Stunden nach dem Banküberfall in Eisenach explodierte im 180 Kilometer entfernten Zwickau ein Haus. Die Polizei ermittelte, dass die beiden Bankräuber dort gewohnt hatten. Gemeinsam mit einer Frau, die kurz vor der Explosion das Haus verlassen haben soll. Hat sie auch das Fluchtauto gefahren? Womöglich die Bankräuber getötet und den Wohnwagen angezündet? Nein, die Polizei bleibt dabei: Es war Selbstmord.

Die Recherchen zu diesem mysteriösen Fall führen tief in die rechtsextreme und früher auch rechtsterroristische Szene Thüringens hinein. So galt die von den Behörden zur Fahndung ausgeschriebene Beate Zschäpe vor gut einem Jahrzehnt als einer der gefährlichsten Neonazis des Freistaates. Zusammen mit ihren Gesinnungsgenossen Uwe B. und Uwe M. hatte Zschäpe vor Jahren in einer Wohnung in Jena gelebt. Als Fahnder dort bei einer Hausdurchsuchung 1998 vier Rohrbomben entdeckten, tauchten die drei Rechtsextremisten in den Untergrund ab. Seitdem galt das Trio als unauffindbar.

Noch ist es nicht bestätigt, ob es sich bei den beiden Toten im Wohnmobil von Eisenach um Böhnhardt und Mundlos handelt. Sollte es aber so sein, dann könnte der ohnehin schon verworrene Kriminalfall um Polizistenmorde und Banküberfälle noch eine terroristische Dimension bekommen.