Berlin/Bonn - Eine Ansprache von 1977 gewinnt gerade erstaunliche Aktualität: Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hielt anlässlich des Mordanschlags auf den früheren Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer am 18. Oktober 1977 eine Rede an die Nation. Sie richtete sich gegen Terror und Gewalt. Nach dem jüngsten Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz schauen und teilen Nutzer auf Youtube das Video nun tausendfach. 

Schleyer fiel einem von zahlreichen Anschlägen der Roten Armee Fraktion (RAF) zum Opfer. Die Zeit des brutalen Links-Terrors wurde in der damaligen BRD bald sprichwörtlich zum "Deutschen Herbst". Schmidt nennt die Attentäter in seiner TV-Ansprache "blindwütige Terroristen, die noch nicht am Ende ihrer kriminellen Energie sind (...). Sie wollen den demokratischen Staat und das Vertrauen der Bürger in unseren Staat aushöhlen (...). Der Staat muss darauf mit aller notwendigen Härte antworten."

"Jeder weiß, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt."

Schmidt findet deutliche Worte: "Jeder weiß, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt." Und noch eine Parallele, die die beiden völlig unterschiedlichen Zeiten und Täter in Verbindung setzt:  "Während ich hier spreche, hören irgendwo sicher auch die schuldigen Täter zu. Sie mögen in diesem Augenblick ein triumphierendes Machtgefühl empfinden. Aber sie sollen sich nicht täuschen: Der Terrorismus hat auf Dauer keine Chance. Denn gegen den Terrorismus steht nicht nur der Wille der staatlichen Organe, sondern der Wille des ganzen Volkes."

Zuletzt richtet sich Helmut Schmidt an seine Zuschauer mit einem Appell, der aktueller nicht sein könnte: "Dabei müssen wir alle, trotz unseres Zornes, einen kühlen Kopf behalten." (jst)