Berlin - Mails oder eine SMS unterschreibt der Hoffnungsträger der CDU in Nordrhein-Westfalen gerne mit „Wüst grüßt“. Hendrick Wüst, gerade mal 46 Jahre alt und  kürzlich Vater geworden, soll  Armin Laschet als neuer Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen beerben. Er hat eine Karriere mit Höhen und Tiefen hinter sich. Und das seit 20 Jahren.

Seit 2017 ist Hendrick Wüst Verkehrsminister in NRW. Er ist stets freundlich, wirkt gelassen und gibt sich gerne als hipper Newcomer. Wüst weiß, wie die CDU funktioniert, er saß schon mit Ende zwanzig als Beisitzer im Bundesvorstand. Doch so geschmeidig wie heute war er nicht immer. Es gab eine Zeit, da galt der Münsterländer als Hoffnungsträger des konservativen Flügels. Damals, er war gerade Anfang 30, war er zum Generalsekretär der NRW-CDU avanciert. Wüst war für die fiesen, kessen und zackigen Attacken zuständig – mal gegen politische Gegner, aber auch gegen Parteifreunde. Das gefiel ihm. 

2007 legte Wüst unter anderem mit Markus Söder ein Positionspapier vor: „Moderner bürgerlicher Konservatismus“ hieß es. Die FAZ sprach damals vom „Nachweis der Aufmüpfigkeit“. Drei Jahre später sah es so aus, als sei Wüsts Karriere am Ende. 2010 musste er zurücktreten – wegen einer Affäre rund um buchbare Sponsorentermine mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Die Episode „Rent a Rüttgers“ machte bundesweit Schlagzeilen. Kurz danach verlor die CDU die Landtagswahl in NRW.

Inzwischen ist Wüst kompromissbereiter geworden. Er hat sich zu einem Politiker der Mitte gewandelt. Konservativ geblieben sind seine Anzüge. Er wird nun ein halbes Jahr Zeit haben – bis Mai 2022. Dann wird in NRW ein neuer Landtag gewählt. Sollte die CDU verlieren, wären seine Landesvater-Träume geplatzt.