Wiesbaden - In Hessen wird an diesem Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Alle wichtigen Informationen im Überblick:

Zahlen und Fakten: Hessen hat rund 6,24 Millionen Einwohner, davon sind etwa 4,38 Millionen Männer und Frauen wahlberechtigt. Knapp 62 000 junge Menschen dürfen zum ersten Mal überhaupt bei einer Landtagswahl ihre Kreuzchen machen. Es treten 23 Parteien an, auf den Landeslisten stehen die Namen von 691 Bewerbern. In den 55 Wahlkreisen gibt es 413 Direktkandidaten.

Wahlrecht: Die Wähler in Hessen dürfen zwei Kreuze machen. Mit der Erststimme oder Wahlkreisstimme wählen sie einen Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis, mit der Zweitstimme oder Landesstimme eine Partei. Die Zweitstimme ist entscheidend für die Zusammensetzung des neuen Landtags und die Kräfteverhältnisse.

Parlament: Der Landesverfassung zufolge gehören dem Landtag in der Regel 110 Abgeordnete an. Erringt eine Partei aber mehr Direktmandate in den 55 Wahlkreisen, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen würden, kommt es zu Überhang- und Ausgleichsmandaten - sprich: Auch für die anderen Parteien ziehen noch weitere Kandidaten in den Landtag ein, bis das Verhältnis wieder einigermaßen stimmt.

Sitzverteilung: Stärkste Kraft in Hessen bei der Landtagswahl 2013 wurde die CDU. Sie holte 38,3 Prozent der Stimmen, was ihr 47 Sitze brachte. Dahinter lag die SPD mit 30,7 Prozent und 37 Sitzen. Auf Platz drei schafften es die Grünen mit 11,1 Prozent und 14 Sitzen. Auf je 6 Sitze kamen Linke (5,2 Prozent) und FDP (5,0 Prozent). Die AfD verfehlte damals mit 4,1 Prozent den Einzug in den Landtag.

Regierung: Hessen hat sich schon öfters als Politiklabor erwiesen - unvergessen bis heute ist der Auftritt des Grünen Joschka Fischer in Turnschuhen bei seiner Vereidigung 1985 als Umweltminister. Damals war dies die erste rot-grüne Landesregierung. 2008 scheiterte SPD-Chefin Andrea Ypsilanti, die den Landtag nun verlässt, mit dem Versuch, eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die Linke zu schmieden. Derzeit regiert eine schwarz-grüne Koalition unter Führung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) - das erste Bündnis dieser Art in einem deutschen Flächenland.

Umfragen: CDU und SPD müssen allen Umfragen zufolge mit deutlichen Verlusten im Vergleich zur Wahl 2013 rechnen, die Grünen dürfen auf kräftige Zugewinne hoffen. Drei Tage vor der Wahl sagte das ZDF-„Politbarometer“ den Christdemokraten 28 Prozent voraus. SPD und Grüne in Hessen lagen gleichauf bei 20 Prozent. Die AfD sah die Forschungsgruppe Wahlen bei 12 Prozent und damit erstmals im hessischen Landtag. Linke und FDP lagen bei 8 Prozent.

Optionen: Nach den Umfragen käme von den vielen politisch denkbaren Bündnissen lediglich eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP auf eine sichere Mehrheit im Landtag. Die amtierende schwarz-grüne Koalition steht auf der Kippe. Ein Bündnis aus CDU und SPD, eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP oder Rot-Grün-Rot ist ebenfalls unsicher. Je nach Umfrage könnten aber auch Mehrheiten für diese Konstellationen zumindest rechnerisch zustande kommen. Während sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) offen für eine Regierung mit Grünen und FDP zeigte, ließ sich die Ökopartei nur wenig zu Koalitionsfragen entlocken. Das Verhältnis zwischen Grünen und FDP gilt als schwierig. (dpa)