Hilfsangebot für „Systemsprenger“ erfolgreich

Hilfe, wenn nichts anderes mehr hilft: Eine Berliner Koordinierungsstelle erarbeitet seit vier Jahren Unterstützung für Kinder und Jugendliche, die durch her...

ARCHIV - Sabine-Astrid Busse (SPD), Bildungssenatorin von Berlin, in einer Schule.
ARCHIV - Sabine-Astrid Busse (SPD), Bildungssenatorin von Berlin, in einer Schule.Joerg Carstensen/dpa/Archivbild

Berlin-Hilfe, wenn nichts anderes mehr hilft: Eine Berliner Koordinierungsstelle erarbeitet seit vier Jahren Unterstützung für Kinder und Jugendliche, die durch herkömmliche Angebote der Jugendämter und Erziehungseinrichtungen nicht mehr erreicht werden. Eine Untersuchung der Evangelischen Hochschule zeigt nun: Das Konzept ist erfolgreich. Der Koordinierungsstelle gelinge es, die jungen Menschen wieder zu erreichen sowie sinnvolle und bedarfsgerechte Hilfsangebote zu schaffen, hieß es in dem am Freitag in Berlin vorgestellten Abschlussbericht.

Hinter dem „trockenen Begriff“ der Koordinierungsstelle verbürgen sich „ganz viele Schicksale“, sagte Familiensenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD). Es gebe immer mehr Kinder und Jugendliche, die in den normalen stationären Einrichtungen nicht mehr zu betreuen seien. „Zu groß ist der Rucksack, den die Kinder schon in ihrer ersten Lebensphase erleben“, sagte Busse. Viele der Betroffenen erfahren demnach Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung. Bekanntheit erlangten solche schweren Fälle auch durch den Film „Systemsprenger“ aus dem Jahr 2019.

Die Koordinierungsstelle sei für Deutschland einzigartig, sagte Busse. Seit dem Start 2018 wurden demnach etwa 60 Fälle bearbeitet. Die Jugendämter können sich mit besonders schweren Fällen an das Expertengremium wenden, das dann Hilfsangebote entwickelt. Diese können dabei auch außerhalb der sonst üblichen Angebote liegen und so individuell auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen. Anschließend wird ein sogenanntes „Team auf Zeit“ gebildet, das bei der Umsetzung der Angebote weiter unterstützt.

„Kinder und Jugendliche werden von Anfang an in die Entwicklung der Hilfen einbezogen“, sagte Forschungsleiterin Viktoria Bergschmidt. „Sie werden ernstgenommen und machen tatsächlich auch die Erfahrung von Mitbestimmung.“ Das führe zu einer erfolgreicheren Beteiligung an den Hilfsangeboten. Die Abbruchquoten seien durch den Prozess massiv gesenkt worden.

Ein großes Hemmnis für die Umsetzung der vom Expertengremium vorgeschlagenen Hilfen sei oftmals die Kostenfrage, sagte Bergschmidt. Hieran müsse zukünftig gearbeitet werden. Senatorin Busse sagte, dass im Doppelhaushalt 2022/23 eine weitere Stelle geschaffen wurde. „Es ist einfach eine Investition, die sich lohnt“, sagte Bergschmidt.