Flüchtlinge in Deutschland.
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Frankfurt/MainMehrere Hilfsorganisationen fordern wegen der Corona-Gefahr eine Schließung der Flüchtlingsunterkünften in Deutschland. Das Virus könne sich dort schnell ausbreiten. „Die Lager in Deutschland müssen aufgelöst werden. Die Landesregierungen müssen jetzt schnell handeln und die langfristige und zukünftige Unterbringung in Wohnungen gewährleisten“, forderten am Montag die Landesflüchtlingsräte, die Organisation Pro Asyl und die Seebrücken-Bewegung. Die Bundesländer dürften nicht weiter auf „Massenunterkünfte“ setzen. Die Corona-Pandemie zeige, dass „eine menschenwürdige Unterbringung“ überfällig und überlebensnotwendig sei.

Es gelte gerade jetzt, „Lager zu schließen - ob in Moria oder Halberstadt“, erklärten die Organisationen. Die Menschen in Flüchtlingsunterkünften auf den griechischen Inseln, in Libyen und in Deutschland seien in der Corona-Pandemie „enormen Gefahren ausgesetzt“. Helen Deffner vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt warf den Behörden vor, die Gesundheit der Migranten bewusst zu gefährden und eine „Durchseuchung“ in Kauf zu nehmen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Die Hilfsorganisationen forderten die Politik zudem auf, die Aufnahme von Flüchtlingen aus „Elendslagern aus dem Ausland“ zu ermöglichen. „Es darf nicht mehr bei bloßen Willensbekundungen bleiben, sondern aufnahmewillige Städte und Kommunen müssen in die Verhandlungen miteinbezogen und genutzt werden.“ Zudem müsse allen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, Zugang zum Gesundheitssystem gewährt werden. Menschen in Abschiebehaft müssten entlassen werden, forderten die Hilfsorganisationen.

Unterstützung signalisierte der SPD-Migrationsexperte Aziz Bozkurt. „Massenunterkünfte, egal ob in Deutschland oder anderswo in Europa, sind weder menschenwürdig noch ist da die Einhaltung von Infektionsschutz oder gar minimaler Hygieneanforderungen möglich“, erklärte er laut AFP in Berlin. Auch Bozkurt forderte eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Wohnungen. Die AG Migration der SPD drang zudem ebenfalls auf eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland in Deutschland.

„Berlin und viele andere Bundesländer sind bereit, Menschen aus den Elendslagern in Griechenland aufzunehmen“, erklärte die Berliner Grünen-Migrationsexpertin Bettina Jarasch. Auch viele zivilgesellschaftliche Organisationen, Kirchen und Gewerkschaften hätten ihre Hilfe angeboten. „Es ist schwer erträglich, dass der Bundesinnenminister diese Angebote schlicht ignoriert“, kritisierte Jarasch mit Blick auf Ressortchef Horst Seehofer (CSU).

Unterdessen blieb weiterhin offen, wann Deutschland gemäß seiner vor Monaten gegebenen Zusage weitere minderjährige Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufnimmt. Zwar halte die Bundesregierung an ihrer Zusage fest, doch „ich kann nicht sagen, wann ein nächster Termin bevorsteht“, sagte dazu ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Bislang konnten lediglich 47 Kinder und Jugendliche einreisen.