Berlin/Dresden - Die deutschen Sicherheitsbehörden befürchten islamistische Anschläge auf die Hauptbahnhöfe in Berlin und Dresden. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat das Bundeskriminalamt die für die Sicherheit der Bahnanlagen zuständige Bundespolizei über eine verstärkte Gefährdung informiert. Die Behörde erhöhte ihre Präsenz in Uniform und Zivil.

Die Hinweise sollen von ausländischen Geheimdiensten gekommen sein, die Telefonate von Dschihadisten abgeört haben. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Spiegel gelten laut einer Quelle auch die Pegida-Demonstrationen als gefährdet. Das Bundesinnenministerium wollte die Hinweise aus Sicherheitskreisen weder bestätigen noch dementieren. Die Behörden erhielten nach den Anschlägen von Paris eine Vielzahl von Hinweisen aus unterschiedlichen Richtungen.

Alle Hinweise würden sorgfältig bewertet. Ernstzunehmenden Hinweisen werde mit Hochdruck nachgegangen. „Die deutschen Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen“, sagte Innenminister Thomas de Maizière. „Die Lage ist ernst, es besteht Grund zur Sorge und Vorsorge, jedoch nicht zu Panik und Alarmismus“, sagte der Minister.

Der „Spiegel“ berichtete, mehrere ausländische Nachrichtendienste hätten übereinstimmende Meldungen an die deutschen Behörden weitergeleitet, in denen die Bahnhöfe in Berlin und Dresden als mutmaßliche Anschlagsziele genannt würden. Die Dienste hätten auch Kommunikationsinhalte internationaler Dschihadisten abgefangen. Diese hätten Anschläge auf die Aufmärsche der islamkritischen Pegida-Bewegung diskutiert. „Wir nehmen diese Hinweise sehr ernst“, zitiert das Magazin einen hochrangigen Sicherheitsbeamten.

Festnahmen bei Razzien in Islamisten-Szene

Unterdessen durchsuchten rund 250 Berliner Polizisten bei einer Razzia gegen die islamistische Szene am Freitag elf Objekte und verhafteten zwei mutmaßliche Terrorhelfer. Die Männer sollen die Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien unterstützt haben. Seit Anfang 2014 ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei gegen insgesamt fünf türkische Staatsbürger im Alter von 31 bis 44 Jahren wegen des Verdachts der „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ in Syrien und wegen des Verdachts der Geldwäsche. Einen Anschlag in Deutschland plante die Gruppe laut Polizei nicht.

Hauptbeschuldigter ist der 41-jährige Ismet D. Er soll als selbst ernannter „Emir“ eine islamistische Extremistengruppe türkischer und russischer Staatsangehöriger sowie tschetschenischer und dagestanischer Herkunft in Berlin-Moabit anführen. D. steht im Verdacht, in einer Moschee an der Perleberger Straße die Gruppe radikalisiert und in Islamseminaren auf die Teilnahme am Kampf gegen „Ungläubige“ im syrischen Bürgerkrieg vorbereitet zu haben.

Ebenfalls verhaftet wurde der 43-jährige Emin F., der Mitglieder der Gruppe bei der Ausreise nach Syrien organisatorisch unterstützt haben soll. Zudem soll er Geld für schwere Gewalttaten zur Verfügung gestellt haben. Die Polizei vermutet, dass die fünf Beschuldigten ausgereiste Dschihadisten in Syrien mit hochwertigem militärischen Material unterstützt haben.

In Europa hat die Polizei am Freitag den Fahndungsdruck erhöht. In Belgien, wo nach einem Anti-Terror-Einsatz mit zwei Toten seit Donnerstag die zweithöchste Terrorwarnstufe gilt, und in Frankreich gab es Festnahmen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, forderte eine Aufstockung der Polizei. „Um die 260 islamistischen Gefährder rund um die Uhr zu bewachen, brauchen wir mehrere Tausend zusätzliche Kräfte“, sagte er der Berliner Zeitung. Stattdessen seien in den letzten 15 Jahren rund 16.000 Stellen abgebaut worden, davon zwischen 2002 und 2012 allein 4000 in Berlin. Weitere Einsparungen seien wegen der Schuldenbremse geplant. (mit Reuters)