Der Historiker Martin Sabrow wehrt sich gegen Einschüchterung.
Foto: Jens Jeske

BerlinÜber die Ansprüche des Hauses Hohenzollern auf Kunstwerke und Immobilien in staatlicher Obhut wird weiter heftig gerungen. Der Historiker Martin Sabrow, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam wehrt sich in einem offenen Brief gegen eine Klage des Hauses Hohenzollern auf Unterlassung. „Sehr geehrter Herr von Preußen“, heißt es darin, „die Auseinandersetzung um das Erbe des Hauses Hohenzollern hat zu einer Entwicklung geführt, die ich als Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit ansehe.“

Sabrow verweist darauf, dass sowohl er als auch einige seiner Kollegen mit juristischen Mitteln darauf verpflichtet werden sollen, wissenschaftlich begründete Vermutungen über  beabsichtigte geschichtspolitische Einmischung des Hauses Hohenzollern nicht mehr öffentlich zu wiederholen.

„Mithilfe eines Unterlassungsbegehrens“, so Sabrow, „haben Sie auch die Weiterverbreitung meiner Auffassung zu verhindern versucht, dass die Auseinandersetzung um das Hohenzollernerbe den privatrechtlichen Rahmen sprenge und von Bedeutung für die öffentliche Geschichtskultur unseres Landes sei.“

Mit Anwälten gegen Wissenschaftler

Ohne die Äußerungen zu wiederholen, auf die sich das Unterlassungsbegehren bezieht, wehrt sich Sabrow energisch gegen das Vorgehen des Hauses Hohenzollern. Dies gefährde die Freiheit der Wissenschaft, „und es ist geeignet, das Fach Zeitgeschichte einer Unkultur der Einschüchterung auszusetzen. Es droht insbesondere die nicht von universitären und außeruniversitären Institutionen abgesicherten Kolleginnen und Kollegen meines Faches mundtot zu machen, die sich teils seit Jahren auf dieselbe Weise bedrängt fühlen, wie es jetzt dem ZZF widerfährt.“

Anwälte der Hohenzollern waren zuletzt wiederholt juristisch gegen Wissenschaftler vorgegangen, die sich kritisch mit den Forderungen des Adelshauses auseinandergesetzt haben, darunter die Historiker Martin Sabrow, Stephan Malinowski und Katharina Urbach. Über die Entschädigungsansprüche verhandelt das Haus Hohenzollern seit Jahren mit dem Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin.