Berlin - Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hat betont, dass auch die politische Bildung zur Bekämpfung des Antisemitismus beitragen müsse.

„Politische Bildung heißt, dass wir reflektieren, welche Verantwortung Deutschland gegenüber dem Staat Israel hat – vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Deutschen Verantwortung tragen für sechs Millionen während des Nationalsozialismus ermordete Juden“, sagte er anlässlich der jüngsten Vorfälle bei Demonstrationen von Palästinensern. „Deshalb kann eine Politik nicht an der Tagesordnung sein, die Israel infrage stellt und die Flagge Israels in irgendeiner Weise diskreditiert.“

Krüger fügte hinzu, bei der Auseinandersetzung mit dem Thema müsse man zugleich einen Rahmen abstecken. So sei es durchaus gestattet, die Politik des US-Präsidenten Donald Trump zu kritisieren, der Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt hatte.

Auch dürfe man in Diskussionen die Interessen der einen oder der anderen Seite im Nahostkonflikt vertreten. Der Chef der Bundeszentrale unterstrich aber: „Man darf rote Linien nicht überschreiten. Und das Verbrennen von Fahnen ist eine solche Linie. Da ist Deutschland einfach gefordert, Flagge zu zeigen – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Antisemitismus hängt häufig mit dem Nahostkonflikt zusammen

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet sechs Mal jährlich Studienreisen nach Israel an und hält zahlreiche Publikationen zum Thema Antisemitismus bereit. Darunter ist ein Dossier von Ahmad Mansour, das bereits vom November 2011 stammt.

Darin steht: „Bei arabischen Jugendlichen macht sich der Antisemitismus meist anhand des Nahostkonfliktes bemerkbar. Man kann hier von antizionistischem Antisemitismus sprechen, denn es wird kaum zwischen Israelis und Juden unterschieden. Die Stimmung gegenüber Juden ist oft sehr aggressiv und die Klischees deutlicher ausgeprägt.“

Und weiter: „Darüber hinaus ist auch ein islamistisch argumentierender Antisemitismus auf dem Vormarsch. Radikale islamistische Gruppierungen sprechen oft von Juden als Feinden des Islams.“ Doch leider, so Mansour schon vor sechs Jahren, finde die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der muslimischen Community kaum Beachtung.

Die meisten antisemitischen Straftaten kommen von Rechten

Der Islamexperte hat eine ähnliche Feststellung am Donnerstag wiederholt. In bestimmten Bezirken Berlins hätten „Menschen mit Migrationshintergrund den Oberton“, die auf Juden „sehr allergisch“ reagierten und auch nicht vor Angriffen auf Juden zurückschreckten, sagte er im Deutschlandfunk.

„Das ist etwas, was wir nicht akzeptieren sollten.“ Dennoch sei Antisemitismus herkunftsübergreifend, so Mansour. „Man findet ihn links, rechts und in der Mitte der Gesellschaft.“

In einem Youtube-Video der Bundeszentrale heißt es, dass Übergriffe oft von muslimischen Schülern ausgingen. In einem anderen Spot wird allerdings zugleich darauf verwiesen, dass 93 Prozent der antisemitischen Straftaten in der ersten Jahreshälfte 2017 auf das Konto von Rechtsextremisten gingen. Die Zahlen stammen aus dem Bundesinnenministerium.