Tokio - In Japan dauern die Entschuldigungen der Bahngesellschaften oft länger als die Verspätungen selbst. Neulich hat ein privater Betreiber noch eins draufgelegt.

Die Firma Metropolitan Intercity hat ausführlich ihr Bedauern dafür dargelegt, dass einer ihrer Züge zwanzig Sekunden zu früh losgefahren ist. Der Lokführer hat die Wagen zwar in der richtigen Minute anrollen lassen – doch statt bei Sekunde 40, hat er den Hebel bereits bei Sekunde 20 umgelegt. 

„Wir drücken unser größtes Bedauern für die Unannehmlichkeiten aus, die wir unseren Kunden verursachten haben könnten“, teilte die Firma mit.

Verspätungen sind weitgehend unbekannt

In Ostasien fahren Züge generell deutlich pünktlicher als in Deutschland. China, Japan und Südkorea verfügen über engmaschige Netze von Hochgeschwindigkeitsstrecken, auf denen Verspätungen weitgehend unbekannt sind.

Die große Bahngesellschaft JR East gibt ihre durchschnittliche Verspätung pro Zug derzeit mit 50 Sekunden an. Sie bezieht jedoch Verzögerungen wegen Naturkatastrophen in diese Rechnung mit ein. Ohne Japans häufige Erdbeben und Taifune läge die Zahl nahe null.

Umgekehrt gilt es als Sensation, wenn doch einmal ein Shinkansen verspätet ist. Das ist gerade erst geschehen, als bei der Stadt Yamaguchi eine Oberleitung kaputtgegangen ist und eine Reihe von Zügen zwischen zehn und 50 Minuten verspätet abfuhr.

Auch hier veröffentlichte der Betreiber umfangreiche, blumige Entschuldigungen. In Japan hat jeder Passagier einen Anspruch auf eine Verspätungsbescheinigung, wenn ein Shinkansen nur fünf Minuten zu spät ankommt.

Gute Organisation ermöglicht Pünktlichkeit

China erreicht ähnlich gute Werte. 98,8 Prozent aller Hochgeschwindigkeitszüge sollen pünktlich abfahren. Die Wahrnehmung im Alltag bestätigt das. Jährlich nutzen in China rund 1,5 Milliarden Passagiere das Schnellzugnetz. Auch in Taiwan fahren nach Angaben der dortigen Bahngesellschaft über 99 Prozent aller Züge fahrplanmäßig ab.

Diese Pünktlichkeit beruht vor allem auf guter Organisation. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind vom übrigen Netz getrennt. Das Ein- und Aussteigen läuft zudem weitgehend reibungslos.

In Japan stehen die Fahrgäste in markierten Reihen am richtigen Wagen an. In China halten sie sich in Wartesälen bereit und dürfen nur für die Abfertigung ihres Zuges auf den Bahnsteig. Der Effekt: Ein Minimum an Chaos, ein Maximum an Berechenbarkeit und Komfort. 

In Japan wird zudem viel in Wartung und Ausbildung investiert. Die Bahngesellschaften setzen ihre Lokführer bewusst über viele Jahre auf denselben Strecken ein, damit sie dort Erfahrung aufbauen können – und müssen dennoch regelmäßig zur Nachschulung in den Simulator.