Amtsinhaber Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen ziehen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich nach den ersten Hochrechnungen in die zweite Runde ein. Macron kommt nach ersten Angaben der Wahlforschungsinstitute vom Sonntagabend auf 27 bis 29,7 Prozent der Stimmen. Damit liegt er in der ersten Runde vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen, die demnach auf 23,5 bis 24,7 kommt. Den dritten Platz erreicht der linke Politiker Jean-Luc Mélenchon. Er erhält etwa 20 Prozent der Stimmen. Der aufsteigende Außenseiter und rechtskonservative Kandidat Eric Zemmour erhält nur 7 Prozent der Stimmen. Zwölf Kandidaten standen zur Wahl.

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Der Ausgang der heutigen Wahl entspricht den Prognosen, doch der Abstand zwischen Macron und Le Pen ist größer als gedacht. Trotzdem: In Brüssel und Berlin blickt man mit Sorge auf den Ausgang der kommenden Stichwahl. Ein Sieg der Populistin Le Pen wäre für viele Politiker ein Schock. Frankreich ist politisch und wirtschaftlich einer der wichtigsten Partner Deutschlands. Die Achse Paris-Berlin, derzeit als Tandem zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Macron, ist eine treibende Kraft in der Europäischen Union. In Brüssel versuchte der 44-Jährige Macron zuletzt verstärkt, sich als Reformer der EU zu inszenieren. In der Ukraine-Krise profilierte er sich als einer der führenden Vermittler.

Sieg von Le Pen würde die EU-Front gegen Putin ins Wanken bringen

Die Euroskeptikerin Le Pen droht mit einer grundsätzlichen Neuausrichtung des französischen Kurses, in der Europa nur noch eine nachgeordnete Rolle spielen würde und Deutschland nicht mehr der Partner der Wahl wäre. Stattdessen würde ein Frankreich unter Le Pen sich Ländern wie Ungarn oder Polen stärker zuwenden. Konfrontationen mit Brüssel wären programmiert, sollte Le Pen einige ihrer Wahlversprechen umsetzen. Frankreich könnte mit Le Pen vom Antreiber zum Bremser von EU-Initiativen werden.

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Stimmauszählung in Frankreich in Ciboure

Bei einem Sieg von Le Pen könnte die bislang geschlossene Front der USA und Europas gegen Russlands Krieg in der Ukraine in Gefahr geraten. Auch in der US-Regierung wird dies mit großer Sorge gesehen. Wahlwerbung zeigte die 53-Jährige bis Ausbruch des Krieges noch bei einem Treffen 2017 mit Kremlchef Wladimir Putin. Nach einem Ende des Krieges könne Russland in absehbarer Zeit wieder ein Partner Europas werden, formulierte die Putinfreundin Le Pen bereits.

Für die Endrunde hatte sich auch der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon Chancen ausgerechnet. Mit sozialpolitischen Forderungen gewann er angesichts der spürbaren wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs für die französische Bevölkerung an Wählergunst. Der Wahlkampf fokussierte sich seit Wochen vor allem auf die Kaufkraft der Franzosen und Konzepte gegen steigende Preise.

Thibault Camus/AP/dpa
Macron bei der Stimmabgabe