Hach! Die schwedische Kronprinzessin Victoria küsst während ihrer Hochzeitszeremonie die Hand von Daniel Westling.
Foto: dpa/Janerik Henriksson

Stockholm/BerlinDas Hochzeitsvideo gibt es auf YouTube. Diesen Satz hätte vor, sagen wir mal 50 Jahren, so auch noch niemand gesagt. Aber vor 50 Jahren hätte vielleicht auch diese Hochzeit nicht stattgefunden. Eine Prinzessin und ihr Fitnesstrainer, ein Bürgerlicher ohne langen Stammbaum und Universitätsabschluss – ja, ist denn das die Möglichkeit! 

Die Rede ist von einer Vermählung, die am heutigen Freitag auf den Tag genau vor zehn Jahren stattfand. Am 19. Juni 2010 gaben sich Schwedens Kronprinzessin Victoria, damals 32, und der vier Jahre ältere Daniel Westling das Jawort. Eine Märchenhochzeit – und der Beginn einer skandinavischen Erfolgsgeschichte.

In dem schon erwähnten Hochzeitsvideo sieht man eine noch mehr als sonst strahlende Prinzessin, die schwedische Thronfolgerin, die am Arm ihres Vaters und in einem schlichten, cremefarbenen Seidenkleid mit fünf Meter langer Schleppe den Gang zum Traualtar in der Domkirche von Stockholm abschreitet. Auf halbem Weg übernimmt ihr Gatte, der sich künftig Prinz nennen darf.

Hinter ihnen liegt ein langer Kampf um die Zustimmung des Königshauses zur Vermählung. Auch wenn Victorias Mutter, Königin Silvia, selbst eine Bürgerliche ist und ihren Mann, König Carl XVI. Gustaf, als Messehostess kennenlernte, gab es Vorbehalte gegen Victoria und Daniel. Gerade Carl Gustaf sei rasend vor Wut gewesen, hieß es damals aus Kreisen royaler Experten.

Carl Gustaf, Moment mal, war da nicht was? Ja, genau, und zwar nur wenige Monate nach der Hochzeit seiner ältesten Tochter. Im November 2010 wurden einige recht pikante Enthüllungen über den inzwischen am längsten regierenden König der schwedischen Geschichte bekannt. In der unautorisierten Biografie „Der widerwillige Monarch“ wurden Carl Gustaf Kontakte ins Rotlichtmilieu nachgesagt. Auch eine vermeintliche Affäre mit der Army-of-Lovers-Sängerin Camilla Henemark brachte ihn damals in Bedrängnis. Auf die Sympathiewerte bei seinen Landsleuten wirkten sich die Gerüchte nicht eben positiv aus.

Das Bild von der heilen schwedischen Königsfamilie und der vermeintlichen Vorzeige-Ehe mit Gattin Silvia bröckelte. Mit gestammelten Statements, abgegeben im Rahmen der jährlichen Elchjagd, oder in Interviews, in denen der Unterschied zwischen Sex- und Stripclubs dargelegt werden sollte, redete sich der Monarch um Kopf und Kragen.

Dass es um seine Imagewerte mittlerweile wieder besser bestellt ist, hat er auch seiner Tochter zu verdanken, gegen deren Partner er damals war. Sie sorgte mit ihrem bescheidenen und uneitlen Auftreten dafür, dass die Königsfamilie wieder versöhnlicher betrachtet wird. Die meisten Schweden sähen ohnehin lieber die 42-Jährige auf dem Thron.   

„Ich möchte dem schwedischen Volk dafür danken, dass ihr mir meinen Prinzen gegeben habt.“ Diesen Satz hatte Victoria vor zehn Jahren im Anschluss an die Trauung der fahnenschwenkenden Menschenmenge in Stockholms Altstadt zugerufen. „Eure Unterstützung zu spüren, das bedeutet mehr für uns, als ihr jemals verstehen könnt. Das ist etwas Unglaubliches.“

Neun Jahre zuvor war sie Daniel Westling, einem Beamtensohn aus der schwedischen Provinz, in dessen exklusivem Fitnessstudio erstmals begegnet. Es folgte eine zunächst geheim gehaltene Romanze, die erst öffentlich wurde, als sich Victoria von der bodenständigen, pflichtbewussten Natur ihres Personal Trainers überzeugt hatte.

Vorzeigefamilie: Victoria und Daniel mit ihren Kindern Estelle und Oscar im Jahr 2016. 
Foto: dpa/Patrick van Katwijk

Was am 19. Juni 2010 folgte, war eine Hochzeit mit allem Pomp und viel Rührung, die von Millionen Fernsehzuschauern weltweit verfolgt wurde. Die Zuschauer hierzulande hatten es dabei besonders einfach, das entscheidende Wort des Tages zu verstehen: Das schwedische Wort für „Ja“ ist nämlich ganz einfach „Ja“.

Damals versammelten sich eine halbe Million Menschen in den Straßen von Stockholm – Szenen, die zum zehnten Hochzeitstag des Paares coronabedingt undenkbar sind. Ihre „Rosenhochzeit“, die in diesem Jahr noch dazu auf den für die Schweden wichtigen Mittsommerabend fällt, wollen die beiden ausschließlich im Privaten verbringen – auch aus Rücksicht auf andere. „Mit Blick darauf, dass viele Hochzeiten und andere Feiern von Studenten eingestellt werden, hat sich das Kronprinzessinnenpaar entschieden, sich bezüglich seines zehnten Hochzeitstages zurückzuhalten“, sagte die Pressechefin des Hofes, Margareta Thorgren, der Zeitung „Expressen“. 

In Schweden gilt trotz des viel beschriebenen Sonderwegs in der Corona-Krise ein Verbot für Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern. Eine größere Feier im Königshaus wäre deshalb unpassend, sie würde auch der umsichtigen Art und Weise widersprechen, mit der die schwedische Königsfamilie seit Beginn der Pandemie vorgeht. 

So haben sich Victorias Eltern seit März überwiegend in die Isolation von Schloss Stenhammar zurückgezogen. Victoria und Daniel stellten viele Termine auf Videokonferenzen um. Die Kronprinzessin scheint ohnehin immer mehr die Führung in der Königsfamilie zu übernehmen, auch Daniel gibt sich staatsmännisch. Die Ehe der beiden verläuft, wie es so schön heißt, skandalfrei. Und dann ist da ja auch noch der Nachwuchs: Tochter Estelle (8) und Sohn Oscar (4). Kein Grund zur Sorge also, oder wie man in Schweden sagt: Super!