Laglio - Also ich traue George Clooney nicht“, sagt Serena Brivio, „am Ende heiratet er doch in Venedig oder gar in Schottland.“ Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich die Italienerin mit dem Hollywoodstar und seinem Anwesen in Laglio am Comer See – rein beruflich und für die Lokalzeitung La Provincia. Die Gerüchte, die von der internationalen Klatschpresse hartnäckig verbreitet werden, verfolgt sie mit Skepsis: Dass Clooney seiner 36-jährigen Verlobten Amal Alamuddin am 20. September das Ja-Wort geben wird. Und zwar in seiner Villa Oleandra in Laglio.

Bisher gebe es überhaupt keine Anzeichen dafür, dass hinter den Kulissen dort irgendetwas vorbereitet wird, sagt Serena Brivio. Aber trotz aller Skepsis hofft die Gesellschaftsreporterin natürlich, dass der bisher als notorischer Junggeselle geltende 53 Jahre alte US-Schauspieler den Schritt ins Eheleben in seiner norditalienischen Wahlheimat tut. So eine Feier, zu der Stars wie Brad Pitt und Angelina Jolie erwartet werden, wäre ein Höhepunkt ihrer Karriere. Und außerdem wären die 926 Einwohner des Örtchens Laglio, „die Clooney lieben“, wie Serena Brivio sagt, arg enttäuscht, wenn ihr berühmtester Mitbürger anderswo heiraten würde.

100 Meter Distanz

Der Bürgermeister von Laglio, Roberto Pozzi, hat schon einmal für gute Voraussetzungen gesorgt. Im Juni ließ er eine Art Schutzzone rund um Clooneys Villa einrichten. Ausflugsschiffe, private Boote und Schwimmer müssen jetzt eine Distanz von mindestens 100 Metern einhalten, Schaulustige und Fotografen dürfen nicht in den Straßen rundum lungern. Vor allem auf einem kleinen Parkplatz hinter der Villa Oleandra hätten sich früher Tag und Nacht die Paparazzi postiert, um mit Riesenobjektiven Fotos zu schießen, erzählt Serena Brivio. Jetzt sind überall Kameras installiert, die Gegend wird überwacht und bei Verstößen gegen das Verbot schreitet die Polizei ein. „Sollte er bei uns heiraten wollen, erwarten wir ihn mit offenen Armen“, sagt der Bürgermeister. „Und wir werden ihm größtmögliche Diskretion garantieren.“

Laglio und der Bürgermeister haben großes Interesse daran, Clooney bei Laune zu halten. Er sei „einer, den uns der gute Gott des Tourismus geschenkt hat“, hat Pozzi über ihn gesagt. Denn seit Clooney am See residiert, pilgern Touristen und Neugierige nach Laglio, das zu unverhofftem Ruhm gekommen ist. „Früher war Laglio überhaupt nicht in“, sagt Serena Brivio, „es war kein Ort für VIPs“. Einer der ersten Prominenten, die am Comer See eine noble Ferienresidenz kauften, war der Modedesigner Gianni Versace, aber ihn zog es nach Cernobbio. Inzwischen haben viele internationale Prominente und reiche Russen eine Villa am Lario erworben, wie die Einheimischen ihren See nennen. Doch keiner hat die Anziehungskraft eines George Clooney. „Laglio ist durch ihn der Nabel der Welt geworden“, sagt Serena Brivio. Und viele im Ort verdienen daran.

Dass Clooney in Laglio landete, war ein Zufall. 2001 hatte der Schauspieler bei einer Motorradtour um den See vor der Villa eine Panne. Er habe einfach geklingelt, erzählte er in Interviews, und die Eigentümer hätten ihn hereingebeten. Wenig später kaufte er den Erben des Ketchup-Königs John Heinz das Anwesen für zehn Millionen Dollar ab. Die 25-Zimmer-Villa aus dem 19. Jahrhundert, eierschalenfarben mit dunklem Schieferdach, liegt direkt am Seeufer und hat einen weitläufigen Park mit hohen Zypressen, umgeben von hohen Mauern und Zäunen. Treppchen führen ins Wasser, seine Motorjacht kann Clooney direkt vor seinem Haus ankern. Als Gästehaus kaufte er die angrenzende Jugendstil-Villa Margherita dazu. Wenn er in Laglio weilt, lässt sich das leicht erkennen: Dann sind die dunkelgrünen Fensterläden der Villa Oleandra geöffnet.

Früher ließ Clooney kaum eine Gelegenheit aus, um seine zweite Heimat in Superlativen zu preisen. „Dies ist der schönste Ort der Welt“, schwärmte er etwa 2008 in einem Fernsehinterview. Italien habe außerdem das beste Essen und den besten Wein der Welt. Jedes Mal schossen die Immobilienpreise am Comer See weiter in die Höhe. Aber die Leute in Laglio eroberte er nicht nur mit solchen Sätzen. „Bis vor zwei, drei Jahren hatte er viele persönliche Kontakte, er unterhielt sich mit allen hier, ging in die Bar, zum Zeitungskiosk, machte Ausflüge auf dem Fahrrad“, erzählt Serena Brivio. Auch sie hat ihn oft getroffen. „Ein wirklich netter Mann“, sagt sie.

Deshalb hätten die Leute in Laglio immer versucht, eine Art Puffer um ihn zu errichten und ihn vor Eingriffen in seine Privatsphäre zu schützen. „Aber spätestens als er mit dem italienischen Model Elisabetta Canalis liiert war, nahmen der Rummel und der mediale Druck extrem zu.“ Neugierige mieteten Schlauchboote, um mit Ferngläsern einen Blick ins Innere der Villa zu erhaschen und riefen unter den Fenstern nach „George“, Paparazzi lagen rund um die Uhr auf der Lauer. Clooney zeigte sich immer häufiger genervt – und es gab Gerüchte, er wolle die Villa Oleandra verkaufen. Schon vergangenen Sommer verbot der Bürgermeister deshalb Neugierigen, auf der Mole gegenüber dem Haus Ausschau zu halten. Manche vermuten, Clooney habe gedroht, Laglio sonst zu verlassen.

Abgeschirmt von Leibwächtern

In diesem Sommer war er aber recht häufig in der Villa, zuletzt in der vergangenen Woche, um am Comer See einen neuen Kaffee-Werbespot zu drehen. Auch seine Verlobte reiste an. Seiner künftigen Schwiegermutter hatte Clooney sein Anwesen und die Umgebung schon im Juni gezeigt. Genug Anlass für Spekulationen also. Eine italienische Internetseite behauptet, es seien schon 20 Millionen Euro Kaution bei einem nahe gelegenen exklusiven Resort hinterlegt, das die Party organisieren solle. Andere angebliche Insider glauben, statt einer großen Party werde es lediglich eine intime Feier direkt in der Villa geben.

Auch Serena Brivio hat Clooney und seine Verlobte kürzlich gesehen, im Restaurant Harry’s Bar in Cernobbio. Früher hätte sie ja vielleicht fragen können, wo er denn nun heiraten wird. Aber daran ist nicht mehr zu denken. „Er ist komplett abgeschirmt von Leibwächtern“, sagt Serena. „man sieht ihn nur noch von Weitem“.