Berlin - Es sind Vorwürfe, die sitzen. Und sie kommen aus den eigenen Reihen.

Laut einem bisherigen AfD-Vorstandsmitglied in Thüringen lässt die Partei es zu, dass rechtsextremes Gedankengut innerhalb der Partei salonfähig werde, „ohne dass Funktionsträger entschieden dagegen halten“. Das sagte Steffi Brönner – bislang Björn Höckes Stellvertreterin im Landesvorstand der Partei – der „Thüringer Allgemeinen“.

„Die AfD besetzt in Thüringen zentrale Funktionen mit Personen, die in ihrer Vergangenheit tief im rechtsextremistischen Bereich tätig waren“, fügte sie hinzu. Brönner sagte: „Wir können das nicht länger so laufen lassen. Das sind Tendenzen, mit denen ich mich nicht länger identifizieren kann.“

„AfD entwickelt sich zu rechtsnationaler Partei“

Von Kritikern der AfD sind solche Vorwürfe Alltag – zumal sich der thüringische Landesverband unter Höcke auch für AfD-Verhältnisse weit rechts positioniert hat. Wenn nun aber eine Stellvertreterin Höckes solche Kritik geltend macht, erregt das in- wie außerhalb der Partei besonders große Aufmerksamkeit.

Brönner befürchtet nach Angaben der Zeitung, dass ihre Äußerung Konsequenzen hat – in Form eines Parteiausschlussverfahrens. Wenn es dazu komme, wolle sie selbst aus der AfD austreten, wird sie zitiert. Als Vize-Landeschefin ist sie Mittwochnacht per E-Mail zurückgetreten, wie ein Sprecher der Partei mitteilte.

In der E-Mail, die der Nachrichtenagentur dpa vorlag, schrieb Brönner, die AfD verlasse immer mehr den Weg als konservative, bürgerlich-liberale Partei und entwickle sich „durch Strömungen und Bewegungen hin zu einer rechtsnationalen Partei“. Die bisherige Vize-Landeschefin fragt: „Ist es jetzt ein Muss in Thüringen, alles gut zu finden, was Björn sagt und tut?“

Geht es Brönner wirklich um Inhalte?

Höcke repräsentiert den äußersten rechten Flügel in der AfD. Er hatte Mitte Januar eine Rede zum Thema Patriotismus gehalten, die in der Öffentlichkeit großes Entsetzen ausgelöst hat. Darin hatte Höcke, offensichtlich auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin bezogen, gesagt: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Der Bundesvorstand strengte daraufhin auf Betreiben von Parteichefin Frauke Petry ein Ausschlussverfahren gegen Höcke an. Dass es tatsächlich zu einem Rauswurf Höckes kommt, glaubt aber kaum ein Beobachter. Die parteiinterne Macht Frauke Petrys, der vielfach rein machttaktisches Vorgehen gegen Höcke vorgeworfen wird, ist längst begrenzt.

Steffi Brönner wiederum halten einige in der Thüringer AfD vor, auch ihr gehe es nicht um Inhalte. Vielmehr sei sie nur persönlich enttäuscht, dass sich ihre Karrierewünsche nicht erfüllt hätten, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Stephan Brandner, dieser Zeitung. „Sie hat es nicht auf die Landesliste für die Bundestagswahl geschafft. Das ist ihr Antrieb, der Partei jetzt zu Schaden“, sagte Brandner. Ihm sei vorher nicht aufgefallen, dass Brönner mit dem Kurs der Thüringer AfD nicht einverstanden gewesen sei.