Einkaufen mit Maske.
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BerlinDamit die Menschen wieder mehr einkaufen gehen und um die Wirtschaft ankurbeln, haben einige Landeswirtschaftsminister eine Debatte über die Maskenpflicht begonnen. Harry Glawe, der CDU-Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, war der Erste, der gesagt hat, dass sein Land die Maskenpflicht im Einzelhandel ab Anfang August abschaffen will. Ob die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) das so mitmacht, darf man bezweifeln. Es ist grundsätzlich ein Denkfehler zu glauben, dass Menschen mehr shoppen gehen, wenn sie keinen Mundschutz mehr tragen müssen. Man geht weniger shoppen, weil man weniger braucht, weil große Urlaube, Feiern und berufliche Events wegfallen. Für das Zoom-Meeting braucht man keine neuen Schuhe.

Durch die Aufhebung der Maskenpflicht könnte eher das Gegenteil eintreten: Die Menschen werden dann vielleicht noch vorsichtiger, ein Geschäft zu betreten, weil sie Angst haben, sie könnten sich am Kleiderständer anstecken. Man weiß inzwischen, dass Infizierte am ansteckendsten sind, wenn sie selbst bei sich noch gar keine Symptome spüren, sich also völlig gesund fühlen. Das macht das Coronavirus so tückisch. Es gibt Studien, die belegen, dass Masken effektiv sind, wenn es darum geht, den Luftstrom und potenziell gefährliche Partikel zu stoppen.

Niemand behauptet, dass es besonders angenehm ist, einen Mundschutz zu tragen, zumal bei großer Hitze. Aber trotzdem ist es eine vergleichsweise kleine, für die meisten Menschen temporäre Einschränkung, die andere verletzliche Bevölkerungsgruppen schützt – und jeden Einzelnen außerdem daran erinnert, dass das Virus noch da ist. Die Akzeptanz der Maskenpflicht sei in der Bevölkerung hoch, sagt die Erfurter Psychologin Cornelia Betsch, die für die Bundesregierung die Stimmung der Deutschen im Corona-Jahr erforscht. Masken würden als effektiv, fair und moralisch richtig wahrgenommen. Die Bevölkerung ist offenbar vernünftiger als einige Politiker.