Berlin - Der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat die Zusammenarbeit mit dem Förderverein Hohenschönhausen vorläufig beendet. Das geht aus einer E-Mail an den Fördervereins-Vorsitzenden Jörg Kürschner hervor. „Mit Sorge beobachte ich die vermehrten inneren Konflikte in dem von Ihnen geleiteten Verein“, schreibt Knabe.

„Da für Außenstehende nicht immer erkennbar ist, dass der Verein nur eine private Vereinigung ist, die unabhängig von der Gedenkstätte agiert, schaden diese Auseinandersetzungen auch der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Aus diesem Grunde sehe ich mich veranlasst, die Zusammenarbeit mit dem Förderverein auszusetzen.“

Hintergrund ist der Streit um Kürschner als Person

Zugleich gibt Knabe seiner Hoffnung Ausdruck, „dass der Verein sich wieder auf seinen eigentlichen Auftrag besinnt, die Gedenkstätte zu unterstützen“, und ermutigt Kürschner, „gemeinsam mit Ihren Vorstandskollegen einen Weg zu finden, der eine gedeihliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit wieder möglich macht“.

Hintergrund ist der Streit um Kürschner als Person. Dieser schreibt seit einiger Zeit Artikel für die rechtsgerichtete Junge Freiheit und lässt darin Sympathien für die AfD erkennen. Daran nahm zunächst der Historiker Jens Gieseke öffentlich Anstoß; er arbeitet am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und ist Mitglied des Beirates von Hohenschönhausen.

„Aufmarschplatz für die AfD“

Am Montag folgte ihm der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg, der als Schriftführer im Förderverein amtiert. Hilsberg schrieb an Knabe, Kürschner mache den Förderverein „zu einem Aufmarschplatz für die AfD“. Dies sei „ein nicht hinnehmbares Politikum“. Er erwarte deshalb, so Hilsberg an Knabe, dass die Gedenkstätte „schnell Entscheidungen trifft für eine neue Leitung des Fördervereins und die notwendige Distanzierung von der AfD. Andernfalls nimmt die Gedenkstättenleitung eine weitere Beschädigung der Arbeit der Gedenkstätte sehenden Auges hin.“

Zuvor hatten Äußerungen des ehemaligen politischen Gefangenen Siegmar Faust Anstoß erregt, der in der Gedenkstätte Werbung für die AfD gemacht und um Nachsicht für den Holocaust-Leugner Horst Mahler gebeten hatte. Knabe beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Faust. Die Debatte war damit jedoch nicht ausgestanden.

Denn neben Gieseke machte der Stasi-Experte Christian Booß, Vorsitzender des Bürgerkomitees 15. Januar, geltend, dass Faust kein Einzelfall und auch nicht Hohenschönhausen allein betroffen sei. „Es gibt in zahlreichen Aufarbeitungsveranstaltungen Kritiken an der SED, die eindeutig rechts konnotiert sind, und das seit Jahren“, so Booß. Die Person Kürschner gilt manchen neben Faust als weiteres Indiz für diese Rechtsdrift. Beide saßen zu DDR-Zeiten aus politischen Gründen im Gefängnis.