Homo-Ehe in Frankreich: Skinheads machen Jagd auf Schwule

Paris - Homosexuelle dürfen in Frankreich künftig heiraten und Kinder adoptieren. Am Dienstag wird die Nationalversammlung das neue Gesetz verabschieden, der Senat hat bereits zugestimmt. Doch der Widerstand ebbt nicht etwa ab. Er eskaliert.

Es sind nicht nur die überwiegend konservativ-katholischen Bürger, die unter dem Motto „Papa und Mama – es gibt nichts Besseres für ein Kind“ zu Zehntausenden auf die Straße gehen. Rechtsextreme Gruppen haben sich hinzugesellt. Ermutigt durch den seit Monaten ungebrochenen Massenprotest gegen die Homo-Ehe, lassen sie ihren homophoben Neigungen freien Lauf, machen Jagd auf Homosexuelle. In Lille haben Skinheads nach einer Veranstaltung der Reformgegner den Chef und drei Angestellte einer Schwulenkneipe zusammengeschlagen. In Bordeaux verwüsteten Rechtsextreme eine überwiegend von Homosexuellen frequentierte Bar. Mit massivem Polizeieinsatz versuchen die Behörden, die homophobe Gewalt zu unterbinden. Der Pariser Erzbischoff André Vingt-trois, ein entschiedener Gegner der Homo-Ehe, hat zur Gewaltlosigkeit aufgerufen.

Straßenschlachten in Paris

Doch die Rechtsradikalen zeigen sich wenig beeindruckt. In Paris und Lyon lieferten sie sich Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. Der Soziologe Erwan Lecoeur zieht den Schluss: „Ein paar hundert, allerhöchstens ein paar tausend Rechtsradikale haben das Gefühl, sie hätten die öffentliche Meinung auf ihre Seite gebracht. Das gibt ihnen Aufwind, das macht sie gefährlich.“

Die Kabarettistin Frigide Barjot, die ein breites bürgerliches Bündnis gegen die Reform geschmiedet hat, muss ohnmächtig mit ansehen, wie eine gewalttätige Minderheit sich der Protestbewegung bemächtigt, sie in Verruf bringt. Aus Sorge vor weiteren Ausschreitungen bei der Massenkundgebung am Sonntag in Paris hatte sie drei private Sicherheitsfirmen beauftragt, rechtsextreme Gruppen vom Demonstrationszug fernzuhalten. Während die friedfertigen Demonstranten die Reihen schlossen und an die Regierung appellierten, „den Willen des Volkes zu respektieren“, versammelten sich nicht weit entfernt Befürworter der Homo-Ehe zur kurzfristig organisierten Gegenkundgebung. Auch sie stimmten Sprechchöre an. „Stoppt die Homophobie“, schallte es über den Place de la Bastille.

Anstatt abzuwiegeln, haben sozialistische Regierung und rechtsbürgerliche Opposition das Klima noch angeheizt. In der letzten Parlamentsdebatte vor der Verabschiedung der Reform verstieg sich der konservative UMP-Abgeordnete Philippe Cochet zu der Behauptung: „Die Regierung schickt sich an, Kinder zu ermorden.“ Justizministerin Christiane Taubira wiederum spottete, sie habe das Gefühl, den Dreharbeiten zu einem Spaghetti-Western der Siebzigerjahre beizuwohnen.