WARSCHAU - Irgendwann fasste sich Adam Kieloch ein Herz und lief mit einem Bekannten händchenhaltend die ganze Krakowskie Przedmiescie hinab. Sie wollten sehen, was passiert, hier auf der Flaniermeile direkt im Zentrum von Warschau. Gar nichts passierte: „Niemand drehte sich um“, erzählt er und lacht laut auf. Sicher, nicht allen habe der Anblick gefallen, aber es sei auch kein böses Wort gefallen. Warschau, „das ist Freiheit“, sagt der 24-Jährige. Und langsam gewöhnt er sich daran, frei zu sein.
Adam ist in Fletnowo aufgewachsen, einem 150-Seelen-Dorf bei Grudziadz. Homosexuelle gab es dort nicht, konnte es gar keine geben. Denn in Fletnowo lebten nur gute Menschen, wie die Nachbarn und der katholische Pfarrer wussten. Und ein Schwuler konnte kein guter Mensch sein, in Fletno-wo nicht und auch nicht in Grudziadz. In ganz Torun, der nächstgelegenen Großstadt, gebe es einen einzigen Club, in dem Gays sich treffen könnten, in einem Keller, mit Kontrollen am Eingang, berichtet Adam. Die polnische Provinz ist kein guter Ort zum Leben, wenn man anders liebt als die meisten.

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