Spätestens mit den Fotos vor der beigen Wohnzimmercouch der designierten Präsidentin von Honduras war klar: Nasry Asfura, der konservative Kandidat der bisherigen Regierungspartei Partido Nacional, erkennt seine Wahlniederlage mit einem Privatbesuch samt Umarmung von Siegerin Xiomara Castro an: „Ich gratuliere Xiomara als gewählter Präsidentin und wünsche mir, dass Gott ihr leuchte und sie führe,“ sagt Asfura.

Xiomara Castro, 62, von der linken Partei Libertad y Refundacion (Libre) ist damit nun die erste Frau an der Spitze von Honduras. Mit mehr als 53 Prozent der Stimmen ist ihr nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Wahlscheine ein deutlicher Sieg vor Asfura (34 Prozent) sicher. Er beendet eine zwölfjährige konservative Regierungszeit, die geprägt war von Korruption, dem Abbau demokratischer Institutionen und dem Vorwurf der Nähe zu Drogenkartellen.

Zuletzt hatte Manuel Zelaya, der Ehemann von Xiomara Castro, als Vertreter der Liberalen Partei eine Regierung angeführt, die sich von den USA abwandte. 2009 wurde Zelaya, dessen Linksdrall die Elite ablehnte, aus dem Amt geputscht. Militärs brachten ihn im Schlafanzug an die Grenze zu Costa Rica.

Von da an begann sich die bisherige First Lady Xiomara Castro, Unternehmertochter und Betriebswirtin aus Tegucigalpa, als politische Anführerin zu emanzipieren. Sie wurde zum Kopf der Straßenproteste und Anti-Militär-Demonstrationen, die Zelayas Rückkehr forderten. Damit gewann die Mutter von vier Kindern selbst zahlreiche Anhänger, scheiterte jedoch zuletzt als Präsidentschaftskandidatin am bisherigen Amtsinhaber Juan Orlando Hernández, dem sie und andere Wahlbetrug vorwarfen.

Xiomara Castro versprach nun die Bekämpfung von Armut und Korruption, ein Verbot der Sonderwirtschaftszonen sowie mehr demokratische Teilhabe des honduranischen Volkes. Ihr demokratischer Sozialismus soll dem massiv von Auswanderung betroffenen Land neue Hoffnung geben.