Carrie Lam, Regierungschefin von Hongkong, spricht während einer Pressekonferenz.
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BerlinErstmals seit drei Jahrzehnten darf in Hongkong nicht der Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in China gedacht werden. Die Organisatoren erhielten am Montag keine Genehmigung. Die Polizei begründete dies laut einem Bericht der dpa mit den geltenden Abstandsregelungen im Kampf gegen das Coronavirus und einer „größeren Gefahr für die allgemeine Gesundheit“. An den Kerzenandachten nahmen in den vergangenen Jahren meist mehr als 100.000 Menschen teil.

Die Peking-treue Regierungschefin Carrie Lam hatte die Vorschriften, wonach nicht mehr als acht Hongkonger zusammenkommen können, jüngst bis zum 4. Juni verlängert. Damit wurde die Demonstration praktisch unmöglich gemacht. Wie die dpa weiter bericht, sahen die Organisatoren von der Hongkonger Allianz darin ein Manöver, die Mahnwache zu verhindern. Mitglieder wollen sich am Donnerstag trotz des Verbots im Victoria-Park der chinesischen Sonderverwaltungsregion versammeln und Kerzen anzünden.

Bei dem Militäreinsatz gegen die Demonstranten um den Tian'anmen-Platz in Peking kamen in der Nacht zum 4. Juni 1989 Hunderte Menschen ums Leben. Die genaue Zahl ist unbekannt. Tausende wurden verletzt und inhaftiert. Das Massaker ist in der kommunistischen Volksrepublik bis heute ein Tabu.