Dass der Bundesinnenminister die Schirmherrschaft über den Nachbarschaftspreis abgibt und seine Ankündigung, twittern zu wollen, lassen Schlimmeres befürchten.

Es gab in den vergangenen Monaten verschiedene Indizien, die in diese Richtung wiesen. Der Rückzug von der Schirmherrschaft des Deutschen Nachbarschaftspreises und seine Ankündigung, nun twittern zu wollen, sind aber die vielleicht deutlichsten: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) läuft wieder aus dem Ruder.

Seehofer muss sich nicht wundern

Dass er sich persönlich getroffen fühlt von der Kritik der für den Preis nominierten Initiativen „Moabit hilft“ und „Wielebenwir“, kann man nachvollziehen. Ähnliches gilt für die Solidarisierung des Geschäftsführers der nebenan.de Stiftung, Michael Vollmann, mit eben diesen. Die Kritik der Ersteren hat sich Seehofer aber höchstpersönlich zuzuschreiben.

Wer sich wie er darüber freut, dass an seinem 69. Geburtstag 69 Flüchtlinge abgeschoben wurden, der muss sich nicht wundern, wenn eine Flüchtlingshilfsorganisation das nur bedingt lustig findet. 

Vollmann wiederum hat sich zuletzt mehrfach zu Wort gemeldet. Er hat dies jedoch stets in sanfter Form getan und lediglich Sätze gesagt wie den, dass der Minister „verbal Grenzen überschritten“ habe. Wer wollte das ernsthaft bestreiten? Nun ist ihm dieser Minister in die Parade gefahren.

Seine Chance war da

Seehofer hätte der aktuelle Streit die Chance geboten, sich von einer souveränen Seite zu zeigen; er hat sie – halb aus emotionaler Schwäche, halb aus Kalkül – verstreichen lassen. Überdies hat der Minister den eigenen Leuten einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Denn die Abteilung Heimat hatte die besagten Initiativen ja schon für Ende August zum Gespräch gebeten. Und die Sprecherin des Ministeriums hatte am Montag erklärt, man denke gar nicht daran, sich aus der Schirmherrschaft zu verabschieden. Vier Tage später ist mit dem Hausherrn erneut der Gaul durchgegangen. Das nutzt niemandem und lässt Schlimmeres befürchten.