Die CSU unterstützt Angela Merkel nun auch offiziell bei ihrer Kanzlerkandidatur. Der Streit zwischen Horst Seehofer und Merkel ist beigelegt. Wir schauen auf die Kapitel eines Disputs, der sich über mehrere Monate erstreckte.

Juli 2015

Harmonie. Die Griechenland-Krise beschäftigt die deutsche Politik. In Syrien tobt der Krieg, auf dem Mittelmeer ertrinken Flüchtlinge. Die Politik hat das Thema noch nicht erreicht. CSU-Chef Horst Seehofer ruft die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel im „Spiegel“ als Kanzlerkandidatin aus – weit bevor diese selbst ihre Entscheidung verkündet: „Wenn wir die Wahl gewinnen wollen, dann nur mit ihr“, sagt er. Seehofer empfiehlt allen in seiner Partei, die CDU-Chefin zu unterstützen.

September 2015

Der Bruch. Merkel erklärt sich bereit, in Ungarn gestrandete Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Die Entscheidung fällt kurzfristig in einer Nacht. Seehofer fühlt sich übergangen, im Kanzleramt heißt es, man habe ihn nicht erreichen können. „Ich sehe keine Möglichkeit, den Stöpsel wieder auf die Flasche zu kriegen“, sagt Seehofer. Die Kanzlerin hält dagegen: „Wir schaffen das. Seehofer greift an: „Merkel will ein anderes Land.“ Zur Unterstützung lädt er Ungarns Premier Victor Orban, in der EU Hauptwidersacher Merkels in der Flüchtlingspolitik, ein. Der schimpft über Merkels „moralischen Imperativ“.

November 2015

Demütigung. Auf dem Parteitag der CSU lässt Seehofer Merkel neben sich auf der Bühne stehen wie ein abzukanzelndes Schulmädchen. Merkel verlässt die Veranstaltung empört.

Januar 2016: Beschweren und Klagen. Per Brief beschwert sich Seehofer bei Merkel über deren Flüchtlingspolitik und kündigt eine Verfassungsklage an. Das Kanzleramt lässt den Brief über Monate unbeantwortet. Im Mai zieht Seehofer die Klageandrohung zurück, weil die Flüchtlingszahlen zurückgegangen seien.

Februar 2016

Attacke. „Wir haben im Moment keinen Zustand von Recht und Ordnung“, sagt Seehofer in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“. „Es ist eine Herrschaft des Unrechts.“

Mai 2016: Rückspiel: Merkel hat Seehofers Attacken lange einfach ignoriert. Nun kommt der Gegenschlag: In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stellt Merkel den Satz des früheren CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß, wonach es rechts von der Union keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe. Wenn unter Berufung auf den Satz Prinzipien relativiert oder gar aufgegeben würden, „die den Kern unserer Überzeugungen ausmachen, dann gilt dieser Satz für mich nicht“, sagt Merkel. Sie stellt damit gleichzeitig den Säulenheiligen der CSU in Frage und wirft Seehofer Prinzipienlosigkeit vor.

Juni 2016

Friedensgipfel Nr. 1. Schon die Suche nach dem Ort für ein gemeinsames Treffen gestaltet sich schwierig. Die CSU will nicht nach Berlin kommen, Merkel nicht nach Bayern. Schließlich trifft man sich in Potsdam. Merkel spricht mit wenig guter Laune von einem Beratungssitzung. Seehofer weicht der Frage aus, ob es einen gemeinsamen Wahlkampf geben werde: „Wir sind jetzt in der Gruppenphase.“ Weiteres werde man noch sehen.

November 2016

Kandidatur ohne Unterstützung. Angela Merkel verkündet, dass sie als Kanzlerkandidatin erneut antreten will. Aus der CSU meldet sich Finanzminister Markus Söder mit dem Hinweis, er vernehme das „ohne Euphorie“. Seehofer sagt, er sei froh, dass jetzt Klarheit herrsche. Auch nicht sehr euphorisch.

November/Dezember 2016

Wegducken. Merkel kommt nicht zum CSU-Parteitag, Seehofer nicht zum CDU-Parteitag – damit es dort nicht erneut zum Affront kommt.

Dezember 2016

Zögern. Kurz vor dem Jahreswechsel stellt Seehofer den für Februar vereinbarten Versöhnungsgipfel in Frage. Der mache nur Sinn, wenn man sich bis dahin einig sei in der Sicherheits- und Flüchtlingspolitik.

Februar 2017

Versöhnung. Der Versöhnungsgipfel findet doch statt. Die Einladung der CSU kommt mit einer Woche Vorlauf. Dieses Mal fahren die CDU-Spitzen nach München. Das Treffen heißt offiziell Zukunftsgipfel. CSU unterstützt nun einmütig Merkel als Kanzlerkandidatin. Der Streit um die Obergrenze ist nicht gelöst. Die Bundestagswahl ist noch sieben Monate entfernt. Geschlossenheit sei entscheidend für einen Wahlsieg, heißt es in beiden Parteien.