Berlin - Es ist eine Sommergeschichte aus dem Süden. Vor einem Monat fragte der Söder Markus, Ministerpräsident von Bayern, den Aiwanger Hubert, Vize-Ministerpräsident von Bayern, vor einer laufenden Kamera, wie es um seinen Impfstatuts stünde. Hatte Aiwanger sich schon gegen Corona impfen lassen? Er hatte nicht, und er wolle auch vorerst nicht, sagte Aiwanger. Er sei weder Schamane noch Freidenker, nehme aber sein „persönliches Freiheitsrecht“ auf Impfverzicht in Anspruch. Seitdem gibt es Streit in Bayern.

Auch außerhalb von Bayern fragt man sich, was den Verweigerer umtreibt. Wieso er sich einer Sache widersetzt, die als Bürgerpflicht gilt. Ein Blick in seine Biografie gibt Hinweise.

Aiwanger ist 50 Jahre alt, Sohn eines Landwirts aus Niederbayern, der selbst Landwirt wurde, bevor er 2002 bei den Freien Wählern und damit in die Politik einstieg. Er lebt in dem Ort, in dem er aufgewachsen ist, übernahm den Hof seiner Eltern. Klingt doch nach einem, der stets das macht, was von ihm erwartet wird?  Mit solchen Einschätzungen kann man vollkommen danebenliegen. Aiwanger ist zum Beispiel auch Katholik, aber mit der Mutter seiner beiden Söhne, einer Landrätin, auch bei den Freien Wählern engagiert, ist er nur liiert, und nicht verheiratet.

Warum das interessant sein soll? Was das mit dem Impfen zu tun haben soll?

Nun, im vergangenen Sommer fragte die Abendzeitung aus München bei Aiwanger nach, warum er denn kein „Ehe-Bündnis“ eingehen wolle. Mit dem Heiraten könne es jeder halten, wie er will, antwortete Aiwanger. Er selbst wolle sich aber „keine gesellschaftlichen Erwartungshaltungen aufzwingen lassen“. Die Zeitung nervte ein bisschen weiter, fragte, wie sein Antrag aussehen würde, ob er rote Rosen schenken würde. In der Corona-Zeit böte sich doch eine kleine Hochzeit an. Keine Hochzeit geplant, wiederholte Aiwanger.

Ob er Angst vor der Ehe habe? Ach was, sagte Aiwanger. Aber etwas tun sollen, nur weil es erwartet wird? Das löse bei ihm „oft eher den gegenteiligen Reflex aus“.