Hunter Biden, 51, ist der Sohn des US-Präsidenten Joe Biden – und steht durch die lange währende politische Karriere seines Vaters selbst schon zeit seines Lebens im Lichte der Öffentlichkeit. Joe Biden gewann sein erstes politisches Mandat im Jahr der Geburt seines zweiten Sohnes, als er US-Senator für Delaware wurde, war Hunter gerade drei Jahre alt. Wer so aufwächst, steht zwangsläufig immer unter Beobachtung – auch und gerade dann, wenn es Probleme gibt. Hunter Biden, ein Anwalt und Wirtschaftslobbyist, wurde 2013 aufgrund eines positiven Kokaintests aus der US-Navy-Reserve entlassen. Damals gab er seine Alkohol- und Kokainabhängigkeit zu. 

Um seine Version der Geschichte zu erzählen und wohl auch um die Deutungshoheit nicht allein anderen zu überlassen, hat der Präsidentensohn jetzt angekündigt, seine Memoiren zu veröffentlichen. Unter dem Titel „Beautiful Things“ soll das Buch am 6. April erscheinen, wie der Verlag Gallery Books am Donnerstag mitteilte. Hunter Biden macht darin nicht nur Details zu seinem Abstieg in die Alkohol- und Drogenabhängigkeit öffentlich, er behandelt auch seinen „umständlichen Weg zurück zur Nüchternheit“ – den beschwerlichen Kampf heraus aus der Sucht.

„Ich komme aus einer Familie, die von Tragödien geprägt und durch eine bemerkenswerte, unzerbrechliche Liebe verbunden ist“, schreibt Hunter Biden in seinen Memoiren. Darin will er auch den Tod seines älteren Bruders Beau behandeln, der 2015 an den Folgen eines Gehirntumors gestorben war. 

Foto: AP/Lana Harris
Eine Aufnahme von 1985: Der damalige Senator Joe Biden hat während einer Zeremonie mit US-Vizepräsident George Bush seine Tochter Ashley auf dem Arm. Bidens Söhne Beau and Hunter halten eine Bibel in den Händen.

Biden, der am Donnerstag 51 Jahre alt wurde, hatte bereits im Jahr 2019 in einem Interview mit dem Magazin New Yorker Einblicke in sein Leben gegeben und auch die Kindheit an der Seite seines berühmten Vaters thematisiert: „Wir sind überall mit ihm hingegangen. Bei jedem großen Ereignis und jedem kleinen Ereignis, das mit seiner politischen Karriere zu tun hatte, war ich dabei. Ich habe noch nie eine Kundgebung für meinen Vater verpasst.“ Der Text behandelt auch die jahrzehntelangen Suchtprobleme Hunter Bidens. Er habe seinen Vater immer vor einer Flut von Enthüllungen schützen wollen, erzählt er. „Jeder hat ein Trauma. In jeder Familie gibt es Sucht. Ich war in dieser Dunkelheit. Ich war in diesem Tunnel – es ist ein nie endender Tunnel. Sie werden es nicht los. Aber Sie finden heraus, wie Sie damit umgehen sollten.“

Joe Biden hatte während des Wahlkampfs stets zu seinem Sohn gestanden. Als sich sein Amtsvorgänger Donald Trump in einem TV-Duell über dessen Kokainkonsum lustig machte, sagte Biden nur: „Ich bin stolz auf ihn. Ich bin stolz auf meinen Sohn.“ Biden und seine Frau Jill erklärten am Donnerstag, sie bewunderten Hunter für seinen Mut, offen über seine Sucht zu sprechen. Anderen Betroffenen könne er so Hoffnung vermitteln.

Foto: Gallery Books via AP
Das Cover von Hunter Bidens Memoiren „Beautiful Things“.

Hunter Biden, der heute mit seiner Familie in Los Angeles lebt, stammt aus der ersten Ehe Joe Bidens mit seiner College-Liebe Neilia Hunter. Sie und die gemeinsame Tochter Naomi kamen 1972 bei einem Autounfall ums Leben. Die Söhne Beau und Hunter wurden damals verletzt. Joe Biden erzog die beiden allein, bis er seine heutige Frau Jill kennenlernte, mit der er die 1981 geborene Tochter Ashley hat.

Hunter Biden war nicht nur wegen seiner Suchtprobleme ins Visier von Donald Trump geraten, sondern auch wegen seiner Geschäftsbeziehungen in die Ukraine und nach China. Er gab in diesem Zusammenhang zu, mitunter ein „schlechtes Urteilsvermögen“ bei seinen Geschäften gehabt zu haben, bestritt aber jedes Fehlverhalten. Auch im Privatleben des Präsidentensohnes ging es bisweilen turbulent zu: Von seiner ersten Frau Kathleen Buhle, mit der er drei Töchter hat, trennte sich Hunter Biden vor sechs Jahren. 2016 begann er eine Beziehung zu Hallie Biden, der Witwe seines Bruders Beau. Durch eine Beziehung mit der Stripperin Lunden Alexis Roberts wurde er im August 2018 Vater einer Tochter. Seit Mai 2019 ist er mit der Südafrikanerin Melissa Cohen verheiratet; im März 2020 wurden sie Eltern eines Sohnes.

Im Klappentext zu „Beautiful Things“ schreibt der Bestsellerautor Dave Eggers: „Dies ist ein erstaunlich offenes und mutiges Buch über Verlust, menschliche Zerbrechlichkeit, eigensinnige Seelen und hart erkämpfte Erlösung.“ Und auch Stephen King hat sich geäußert: Mit seinen erschütternden Memoiren beweise Hunter Biden einmal mehr die Tatsache, „dass jeder – selbst der Sohn eines Präsidenten der Vereinigten Staaten – auf dem rosa Pferd die Albtraumgasse hinunterreiten kann“.