Abiturprüfungen werden in manchen Bundesländern verschoben, in anderen nicht.
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TOCHTER: Ich möchte morgen mit einer Freundin am Sacrower See eine Radtour machen. Ist das okay?

MUTTER: Ja. Aber bitte keine weiteren Freunde, nicht umarmen, Abstand halten, nicht aus demselben Becher trinken. Du weißt: Corona.

Ich weiß.

Tut mir leid, dass ich dir jetzt ständig Anweisungen geben muss.

Ich weiß ja, dass es für einen begrenzten Zeitraum ist. Aber ich fühle mich natürlich eingeschränkt. Dass ich nicht entscheiden kann, ob ich meine Freunde treffe, wo und wie viele. Finde ich der Situation angemessen, aber auf lange Sicht echt belastend.

Macht dir das Angst? Vielleicht geht es noch ewig so weiter.

Ich hab keine Angst. Aber bald bin ich aus der Schule raus, und ich will nicht die letzten eineinhalb Jahre Schulzeit damit verbringen, meine Kontakte einzuschränken, anstatt sie zu erweitern. Jetzt ist für mich die Zeit, in der man viele Leute trifft, auf Partys geht, zusammen draußen ist. Wenn es nach Ostern nicht zu Ende ist und bis nach den Sommerferien so weitergeht, das wäre richtig blöd. Die Zeit kann ich nicht nachholen. Aber ich finde es schon richtig, dass Kontakte eingeschränkt werden.

Hast du Angst um dein Abitur?

Um meins nicht. Aber meine Freunde aus dem Zwölfer-Jahrgang wissen nicht, ob sie lernen sollen oder nicht. Sie wollen nicht umsonst lernen, aber sie werden es natürlich trotzdem tun, falls sie dann doch die Prüfungen schreiben. Vielleicht wird ihr Abitur ohne Prüfungen angenommen und das ist für manche gut und für andere schlecht.

In ein paar Jahren werden wir diese Phase vielleicht als echten Einschnitt und Zeitenwende sehen. Vielleicht sind wir erst am Anfang, vielleicht auch mittendrin. Niemand weiß es.

Ist vielleicht eher unwichtig. Ich gehe gerade absolut verschwenderisch mit meiner Zeit um, weil ich so viel davon habe. Die Hausaufgaben nehmen drei oder vier Stunden meines Tages ein. Das ist absolut nichts. Der Tag hat keine Struktur. Ich bin entspannt wie lange nicht. Aber ich verpasse eben was.

Es tut mir leid, dass eure Interrailreise im Sommer wohl ins Wasser fallen wird. Ihr habt so viel vorbereitet.

Ja, wir haben uns echt darauf gefreut. Wir gucken jetzt einfach mal, wie es im Sommer sein wird. Vielleicht können wir ja wenigstens innerhalb Deutschlands rumreisen. Wenn man gar nicht reisen kann, werde ich den Sommer wohl am See verbringen.

Du bist gar nicht zornig?

Na, es kann ja keiner was dafür. Ich will natürlich keine italienischen Verhältnisse und auch nicht, dass jemand aus meiner Familie oder dem Freundeskreis stirbt.