Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak 

Berlin - Wir treffen uns schon um acht Uhr in den Räumen des Berliner Verlags, denn Philipp Rubach, der eigens für dieses Gespräch aus Athen gekommen ist, hat um kurz nach 12 Uhr seinen Rückflug. Und Ottilie Klein muss an ihren Arbeitsplatz im Abgeordnetenhaus, wo sie für die CDU-Fraktion arbeitet. Die beiden sind gleich beim Du.

Herr Rubach, es gibt diese Geschichte, die Sie in der Vergangenheit häufiger erzählt haben. Die Geschichte mit dem Kaffeetisch. Wollen Sie sie noch einmal erzählen?

Philipp Rubach: In meiner Familie ist die Treuhand ein großes Thema. Also die Abwicklung von 6 500 Betrieben nach der Wende, infolge derer über drei Millionen Menschen im Osten ihren Job verloren haben. Am Kaffeetisch erzählt mein Opa immer wieder von den westdeutschen Männern, die damals mit den schwarzen Aktenkoffern kamen und die Betriebe geschlossen haben.

Ihr Großvater war Generaldirektor in einem VEB-Kombinat.

Rubach: Ich will das gar nicht  auf seine Person reduzieren, es geht eher darum, was damals systematisch stattgefunden hat. Das hat bis heute einen Einfluss auf die politische Entwicklung im Osten. Weil es bei vielen das Gefühl gibt, noch immer Menschen zweiter Klasse zu sein. Das lässt sich auch an Löhnen und Renten festmachen, die in Ostdeutschland immer noch niedriger sind als im Westen. Genauso ist die Nicht-Repräsentanz von Ostdeutschen in Führungspositionen ein großes Thema bei uns zu Hause.

Gibt es so ein einschneidendes Thema bei Ihnen in der Familie auch, Frau Klein?

Ottilie Klein: Ja. Meine Eltern sind als Russlanddeutsche 1982 unter großen Schwierigkeiten aus der Sowjetunion in die DDR ausgereist. Dort angekommen musste mein Vater  hart dafür kämpfen, dass er mit meiner Mutter und meinem Bruder nach Westdeutschland übersiedeln durfte. Trotz aller Repressalien durch die Stasi konnte meine Familie dann 1983 ausreisen. Wenige Monate später kam ich im Schwarzwald zur Welt

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