New York - Die junge schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen beim Klimaschutz vorgeworfen. „Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, woran Ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum. Wie könnt Ihr es wagen!“, sagte die 16-Jährige am Montag zu Beginn des UN-Klimagipfels in New York. „Ihr habt mit Euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen“, fügte Thunberg in ihrer wütenden Rede hinzu.

Dabei zähle sie noch zu „den Glücklichen“. UN-Generalsekretär António Guterres hatte Thunberg bereits in seiner Eröffnungsrede Recht gegeben. Die jungen Klimaaktivisten hätten Recht, wenn sie „sofortiges Handeln“ verlangten, sagte Guterres. Die ältere Generation habe bislang bei der Aufgabe versagt, das Klima zu schützen. Guterres verlangte als Teil einer globalen Kehrtwende unter anderem, dass nicht weiter „Billionen von Steuergeldern“ für die Unterstützung des fossilen Energiesektors ausgegeben würden. Auch müsse der Bau neuer Kohlekraftwerke weltweit eingestellt werden. Bei dem eintägigen Gipfel, an dem rund 60 Staats- und Regierungschefs teilnehmen, sollen Regierungsvertreter ihre Klimaschutzprogramme vorstellen.

Auch Merkel unter den Rednern

Zu den Rednern wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehören, deren Regierung erst am Freitag ein Maßnahmenbündel für den Klimaschutz auf den Weg gebracht hatte. Auch US-Präsident Donald Trump erschien am Montag überraschend beim Klimagipfel - allerdings nur für einige Minuten. Trump setzte sich am UN-Hauptsitz in New York kurz ins Plenum, obwohl er ursprünglich nicht an dem Treffen teilnehmen wollte. Er hörte für einige Minuten der Rede des indischen Premierministers Narendra Modi zu und applaudierte auch.

Trump hat den menschengemachten Klimawandel immer wieder angezweifelt und 2017 den Austritt seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 angekündigt. Guterres will durch den Gipfel erreichen, dass die Weltgemeinschaft mit verschärftem Nachdruck darauf hinarbeitet, die im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarten Ziele zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes zu erreichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich derweil am Rande des UN-Klimagipfels mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg getroffen. Wie auf einem am Montag von Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter verbreiteten Foto zu sehen war, saßen die CDU-Politikerin und die junge Schwedin nebeneinander auf zwei Sesseln. 

Merkel (CDU) hat das Maßnahmenpaket der Bundesregierung für den Klimaschutz als Beginn eines „tiefgreifenden Wandels“ in Deutschland beschrieben. Die Bundesregierung wolle mit diesen Programm ihren Beitrag zu einer „nachhaltigen Wirtschaft und zu einem nachhaltigen Leben weltweit“ leisten, sagte Merkel am Montag in New York in ihrer vierminütigen Rede. Die Kanzlerin bezeichnete es als Pflicht der Industriestaaten, als Hauptverursacher des Treibhausgaseffekts mit „Innovation, Technologie und Geld“ die Erderwärmung zu bekämpfen. „Deutschland sieht seine Verantwortung international und national“, sagte sie bei der Präsentation der am Freitag vom Berliner Klimakabinett beschlossenen Maßnahmen. 

An dem Klimagipfel in New York nehmen auch junge Klimaschutzaktivisten teil. Thunberg hatte mit ihren freitäglichen Schulstreiks die neue weltweite Jugendbewegung für den Klimaschutz ins Rollen gebracht. Am Freitag hatten weltweit Millionen von Menschen mit Streiks und Demonstrationen ihrer Forderung nach deutlich verstärkten Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung Nachdruck verliehen. (afp, dpa)