Ein Stapel bunter Spielzeugautos.
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Wir haben mit diesem Thema unser Gemeinschaftsprojekt mit dem Tagesspiegel und der Bundeszentrale für Politische Bildung gestartet. Zehn Wochen lang wollen wir über wichtige Themen diskutieren.

In der ersten Woche hatte zunächst der „Autopapst“ Andreas Keßler seine Liebe zum Auto erklärt. Die Schauspielerin Liv Lisa Fries warb fürs Radfahren, das für sie viel mehr als nur Fortbewegung ist. Dann waren unsere Alltagsexperten an der Reihe. Pensionär Reinhold Osterhus erzählte davon, wie sein Auto der Meilenstein auf seinem Weg vom Arbeiterkind zum gut situierten Bürger war.

Karl Michael Ortmann schilderte die Belastung durch den Verkehr in seinem Ortsteil Schildow und Mobilitätsberater Axel Quanz würde den Raum, den Autos heute besetzen, gern anders aufteilen. Sie, liebe Leser, haben uns in der ganzen Woche viele Briefe und Mails geschickt, die wir auf dieser Seite teilweise abdrucken. Und wir freuen uns auf mehr! Nächste Woche geht es um Ernährung: Darf man noch Fleisch essen?

BLZ/Tagesspiegel/BpB
30 Jahre Meinungsfreiheit

Vor 30 Jahren fiel die Mauer, aus der geteilten Stadt wurde ein geeintes Berlin. Gemeinsam mit dem Tagesspiegel und der Bundeszentrale für politische Bildung feiern wir die Meinungsfreiheit – mit guten Argumenten und großen Debatten. 


Die Reaktionen unserer Leser

Berlin könnte einen Entwicklerpreis ausschreiben

Ich bin sicher, dass wir uns vom Auto im Privatbesitz zumindest in den Städten verabschieden müssen und ich bin auch sicher, dass dieser Schritt noch sehr lange auf sich warten lassen wird. Die Automobilindustrie wird Widerstand formieren, Berlin könnte mal einen großen Entwicklerpreis für ergänzende und alternative Nahverkehrskonzepte ausschreiben. Teilnahmeberechtigt: alle, die gerne wollen, dass die Stadt – und die Erde – noch für viele Generationen lebenswert ist. M. Konnik, Schorfheide

Dasselbe Thema wie bei „Überholen ohne einzuholen!“

Das Auto im Stadtzentrum beseitigen ist genauso unüberlegt wie den Abbau der Braunkohle beenden. Wenn es aber kein Konzept für die Verlangsamung der Erwärmung der Erdatmosphäre gibt, wird es bei den Menschen, hier den Autofahrern, kein Einsehen geben. Da helfen auch keine noch so großen Demonstrationen. Ihr aufgeworfenes Thema erinnert mich ein bisschen an die Zeit, als es in der DDR in der Auseinandersetzung mit der BRD hieß „Überholen ohne einzuholen!“ Rainer Menzel, per Mail

Ziemlich provokative Frage: KANN das Auto weg?! Deutliche Antwort: Das Auto MUSS weg. Nicht jedes, und nicht gleich alle – aber viele, und: ZÜGIG BITTE!! ÖPNV muss viel besser, genauer, stärker und preiswerter werden - schon der (Berliner) Luft zuliebe ... also UNSEREN LUNGEN, unserer Gesundheit zuliebe! Und um der unglaublichen Verschwendung von öffentlichem RAUM entgegenzuwirken – RAUM!! Das ist das, wo man BÄUME pflanzen kann und wo Menschen ATMEN und spazieren gehen können, oder sitzen und schwatzen ... 

Knut Harnisch, Berlin-Wilmersdorf

Der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV kann nicht funktionieren

Man male sich nur einmal aus, dass all diejenigen, die aktuell in den Innenstädten mit dem Fahrrad unterwegs sind, auf Autos umsteigen würden. Die Verdichtung des Verkehrs kann sich kein Autofahrer wünschen. Dann male man sich aus, 20 oder 30 Prozent der Menschen, die mit dem Auto in der Stadt unterwegs sind, benutzten stattdessen öffentliche Verkehrsmittel. Das kann der ÖPNV schlicht nicht leisten. Dazu fehlen die Fahrzeuge, dazu fehlt das Personal. Und überhaupt: Menschen steigen auf Busse und Bahnen um, wenn diese verlässlich, komfortabel, sicher und sauber sind. Und das sind sie in Berlin eben nicht, bei allem Respekt vor den Angestellten der BVG & Co. Thomas Langdecker, per Mail

Auf unseren Straßen haben Auto und Fahrrad keine Gleichberechtigung und es mangelt an gut ausgebauten Straßen für Fahrrad und Auto. Wenn sich das irgendwann mal ändern und auch die Politik sinnvolle Vorgaben zur Autonutzung unterbreiten sollte, könnte das Auto häufiger ungenutzt bleiben

Daniela_qm_3, via Instagram

Wirklichkeitsfremde Politik für 30 Prozent der Bewohner

Man soll mir bitte noch erklären, wie man es als Berufstätige/r schafft, morgens drei Kinder in Schule und Kita (unterschiedliche Zeiten und Orte) ohne Auto zu verteilen. In Berlin wird nur wirklichkeitsfremde Politik für 30 Prozent der Einwohner gemacht, von denen längst nicht alle dem links-grünen, meist zugezogenen Öko-Klientel zuzurechnen sind. Was für eine weltfremde, theoretische Blase, fernab jeder Praxis. Bylla Baschien, per Social Media

Würde der private Autoverkehr verboten werden, sind Tausende ältere Menschen, die auf den Wagen angewiesen sind, vom täglichen Leben ausgegrenzt. Es sind eben nicht alle hip und hop und flott. 

Ralf Küppers, via Facebook

Auch wenn’s lange dauert – das Auto ist ohne Alternative

Die Frage ist nicht, ob wir das Auto brauchen. Die Frage ist, ob die Verwaltungs- und politischen Prozesse weiter so langsam laufen dürfen, wie es sich in den letzten Jahrzehnten eingeschliffen hat. Auch wenn's manchmal noch so lange dauert – ich sehe keine Alternative zum Auto. Roger Bernecker, via Facebook

Diese Mobilität ist kein Fortschritt

So, wie es jetzt ist, widerspricht es der Natur und den Grundinteressen der Menschen, selbst wenn viele das (noch) nicht glauben und verstehen. Diese Mobilität ist kein Fortschritt. Eher muss sie überwunden werden, wenn wir nicht die Existenz der Spezies Mensch auf dieser Erde beenden wollen. Die weitere Existenz der Menschheit ist somit verknüpft mit dem Ende der Episode wirtschafts-politisches System Kapitalismus auf der Erde. Erst dann werden regionale Wirtschafts- und Mobilitätskreisläufe wieder das Normale werden. Auch können wir dann Technik gesellschaftlich nutzen, die den politischen, Wirtschafts- und Privattourismus minimieren. Den ÖPNV umweltverträglich, schnell und weitreichend, kurz getaktet und kostengünstig für die Nutzer ausbauen muss das Ziel sein. Das kann man aber am Berliner Senat nicht erkennen. Wolfgang Schlenzig, Berlin-Mariendorf

Ich fahre gern mit dem Auto. Ich fahre einen Jaguar 2.0 Ltr Diesel 130 PS mit einem Verbrauch von 6 Litern auf 100 Kilometer. Der niedrige Verbrauch war vor 14 Jahren mitentscheidend für den Kauf. Heute fühlt man sich als Autofahrer und speziell als Dieselfahrer an den Pranger gestellt. 

Bernd Benes, Teltow

Ich würde SUVs in den Städten verbieten

Auto ja oder nein? Für viele Menschen ist das Auto ein notwendiges Transportmittel, weil es kein anderes gibt, vor allem auf dem Lande. Allerdings halte ich den Ausbau öffentlicher Transportmittel für sehr wichtig, um den Individualverkehr zu reduzieren. Der öffentliche Verkehr muss individualisierter werden. Keine Riesenbusse, wo 2 Personen drin sitzen. Kleine Fahrzeuge auf Abruf, wenn die Bürger es brauchen. Und ich würde die Autos, die viel Energie verbrauchen, verbieten. Keine SUVs in den Städten. Die erlaubte Geschwindigkeit auf Autobahnen begrenzen. Funktioniert doch zum Beispiel in Frankreich hervorragend und das Fahren ist viel entspannter. Heidi Simon, per Mail

Kontrollen nur, wenn es Geld in die Kasse bringt

Sie brauchen gar nicht so weit zu fahren. Kommen Sie zum Mirbachplatz in Berlin-Weißensee und sehen Sie sich das Chaos hier an. Gäblerstr. – Tempo-30-Zone, aber das interessiert keinen. Vom Mirbachplatz wird die Gäblerstr. als Umfahrung genommen. Radfahrer auf dem Fußweg in beiden Richtungen, manchmal mit tollem Tempo. Ordnungsamt? Es werden nur Pkw kontrolliert, die falsch parken. Bringt Geld in die Kasse. Auf meine Frage, warum der auf dem Bürgersteig vorbei rasende Radfahrer nicht gestellt wird, bekam ich zur Antwort, „Ich lass mir nicht aufs Maul hauen.“ Rainer Hässelbarth, Berlin-Weißensee