Heraufziehende Rauchschwaden von Napalmbomben, schreiende und weinende Kinder, Soldaten, die ihnen folgten – kein Foto hat den Schrecken eines Krieges nachdrücklicher eingefangen als dieses Bild, aufgenommen im südvietnamesischen Dorf Trang Bang am 8. Juni 1972. In der Bildmitte sieht man die damals neunjährige Kim Phuc, sie läuft buchstäblich um ihr nacktes Leben. Ihr Körper ist von Brandwunden gezeichnet. Die sofortige Hilfe des für die Presseagentur AP arbeitenden Fotografen Nick Ut rettete ihr das Leben. Er bringt sie und andere Verwundete nur wenige Sekunden, nachdem er auf den Auslöser gedrückt hat, in ein Krankenhaus.

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Das berühmte Foto des AP-Fotografen Nick Ut

Zur Legende dieses Fotos gehört die Erzählung, dass es maßgeblich dazu beigetragen habe, den Vietnamkrieg zu beenden. Tatsächlich dauerte der zwischen den Vietkong des Nordens und dem durch die USA unterstützten Südvietnam geführte Krieg noch drei weitere Jahre, bis 1975. Die mörderische Zerstörungskraft der vor allem die Zivilbevölkerung treffenden Napalmbomben wurde zum Inbegriff einer unerbittlichen Interessenpolitik der USA, die Widerspruch in der gesamten westlichen Welt hervorrief und der seit 1967 weltweit an Bedeutung gewinnenden sogenannten Studentenbewegung eine pazifistisch orientierte Richtung gab.

50 Jahre später gehen die Emotionen, die das Foto wie am ersten Tag auszulösen vermag, vom glücklichen Ausgang für dessen Protagonistin aus. Kim Phuc, die zunächst 14 Monate im Krankenhaus bleiben musste, arbeitet heute als Friedensbotschafterin unter anderem für die Vereinten Nationen. Seit Anfang der 1990er-Jahre lebt sie in Kanada. Dieses Bild habe sie immer wieder daran erinnert, dass sie ihre Kindheit verloren habe, sagte sie kürzlich im Rahmen einer Audienz beim Papst. Aber sie sei nicht länger Opfer des Krieges. „Ich bin eine Mutter, eine Großmutter und eine Überlebende, die zum Frieden aufruft.“

Von der Fluchtsituation der Kinder existieren auch Filmaufnahmen, aber diese haben längst nicht die Wucht dieses angehaltenen Augenblicks der Geschichte, der die Gewalt eines Krieges dokumentiert.

Angesichts des Krieges gegen die Ukraine indes wächst die Skepsis, ob Bilder des Grauens noch immer die Kraft haben können, Einfluss auf die militärische Entwicklung zu nehmen.