Köln - Im sibirischen Permafrost haben französische Forscher ein 30.000 Jahre altes Riesenvirus entdeckt. Für die Forschergruppe ist es der zweite von insgesamt vier Funden prähistorische Viren in der unwirtlichen Region im Osten Russlands. In einem US-Amerikanischen Wissenschaftsmagazin kündigten sie an, den „Mollivirus sibericum“ reanimieren zu wollen. Vorher soll allerdings ausgeschlossen werden, dass Gefahr für Menschen oder Tiere besteht.

In diesem Zusammenhang sprach einer der führenden Forscher der Gruppe, Jean-Michel Claviere, davon, dass einzelne Erreger noch potent genug sein könnten, um einen verwundbaren Wirt zu infizieren und das Virus damit wiederzubeleben. Die Fundregion beginnt aufgrund der globalen Klimaveränderungen teils aufzutauen und mitunter kann schon nicht mehr von Permafrost gesprochen werden.

Dies birgt Gefahren, da Ressourcen wie Öl unter dem Eis liegen, die bei veränderten klimatischen Bedingungen leichter zu erschließen sind. Clavier warnte davor, ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen in der subarktischen Region zu arbeiten. Man könne nicht ausschließen, dass durch Unvorsichtigkeit längst ausgerottet geglaubte Viren wieder zum Vorschein kommen.

Unglaublich Komplex

Bei der bevorstehenden Untersuchung im Labor geht es darum, genaueres über das Virus und sein Verhalten zu erfahren. Besonders fasziniert sind die Forscher von der Komplexität der aus dem letzten Eiszeitalter stammenden Bakterien. So kann der neueste Fund 500 Gene vorweisen und der 2003 gefundene Pandoravirus sogar 2.500, was sie als Riesenviren qualifiziert. Vergleicht man dies mit den bloß acht Genen des Influenza-A-Virus', das unter anderem für die Spanische Grippe verantwortlich war, die zwischen 1918 und 1920 Dutzende Millionen Todesopfer forderte, wird einem schnell die Dimension der Riesenviren aus Sibirien klar.

Über das möglicherweise tödliche Potential der Krankheitserreger sagt die Anzahl der Gene jedoch nichts aus. Daher ist zunächst abzuwarten, was die in den USA unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen Untersuchungen zu Tage fördern.