Sternensinger sammeln am 6. Janaur für notleidende Kinder.
Foto: imago stock&people

Aachen/BerlinDieser Tage ziehen sie wieder als Heilige Drei Könige verkleidet durch die Straßen - aber immer weniger Sternsinger malen sich dabei nach Angaben der Initiatoren das Gesicht dunkel an. Die Entwicklung beobachtet das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in ganz Deutschland. „Oft sind die Gründe dafür einfach: Viele Kinder finden die Schminke unangenehm oder vertragen sie nicht, andere möchten auf Fotos auch gut wiedererkannt werden“, sagte der Sprecher des katholischen Missionswerks mit Sitz in Aachen, Thomas Römer, der Deutschen Presse-Agentur.

Kritiker sehen noch einen anderen Grund, warum Kinder auf die Tradition verzichten sollten. „Schwarze Menschen werden so auf ihre Hautfarbe und äußere Merkmale reduziert“, kritisiert Tahir Della von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland. Für ihn ist diese Art des Schminkens eine Form des rassistischen „Blackfacings“. Auch gegen den dunkel angemalten Nikolaus-Gehilfen in den Niederlanden, den „Zwarten Piet“, werden wegen der Praxis immer wieder Vorwürfe laut.

Oft sind die Gründe dafür einfach: Viele Kinder finden die Schminke unangenehm oder vertragen sie nicht, andere möchten auf Fotos auch gut wiedererkannt werden

Thomas Römer, Sprecher des katholischen Missionswerks

Römer dagegen betont: Mit einer rassistisch motivierten Theatermaskerade habe die Tradition beim Sternsingen nichts zu tun. „Von dieser rassistisch motivierten Darstellungsform, entstanden im 19. Jahrhundert in den USA, distanzieren wir uns deutlich.“ Das Schminken solle vielmehr „zum Ausdruck bringen, dass die Weihnachtsbotschaft damals wie heute für alle Menschen gilt, ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben“. Die drei Könige sollten einst die drei bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien repräsentierten, erklärte Thomas Römer. „Der schwarze König stand für Afrika.“

Della argumentiert: „Die Tradition ist gut gemeint, aber sie lässt außer Acht, wie sie auf Betroffene wirkt.“ Es sei unzeitgemäß, Andersartigkeit überhaupt darstellen zu wollen. Wer aber darauf besteht, könne Kinder mit in Wirklichkeit unterschiedlichen Hautfarben als Sternsinger gewinnen.

„Die Sternsingergruppen entscheiden selbst, wie sie sich bezüglich des Schminkens verhalten - eine Vorschrift gibt es dazu nicht“, sagte Römer.

Jedes Jahr sammeln die Sternsinger rund um den 6. Januar für notleidende Kinder. Seit ihrem Start 1959 kamen so 1,14 Milliarden Euro zusammen. Die diesjährige Spenden-Aktion der katholischen Kirche in Deutschland steht unter dem Motto „Frieden! Libanon und weltweit“.