Berlin - Der Druck auf dem Wohnungsmarkt wächst: Jeder zweite Berliner hat in den vergangenen drei Jahren eine Mieterhöhung erhalten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Im Vergleich zum Januar 2011 hat sich damit der Anteil der Berliner, die eine Mieterhöhung bekommen haben, nochmals um zwei Prozentpunkte erhöht.

Die Zahl der Betroffenen wäre noch weitaus größer, wenn der Senat für die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen mit ihren rund 275.000 Wohnungen nicht einen vorläufigen Mietenstopp verhängt hätte. Etwa 50.000 bis 60.000 geplante Mieterhöhungen durften seit Anfang dieses Jahres deswegen noch nicht verschickt werden. Insgesamt gibt es in Berlin rund 1,6 Millionen Mietwohnungen.

Fast jeder Vierte nicht zufrieden

Die Bewohner in den östlichen Bezirken Berlins sind von Mieterhöhungen insgesamt stärker betroffen. Hier erklären 52 Prozent der Befragten, dass sich die Miete für sie in den vergangenen drei Jahren erhöht hat. Im Westteil sagen dies dagegen 49 Prozent. Forsa befragte 1007 Berliner im Zeitraum vom 13. bis 23. August.

Der Umfrage zufolge gibt es nicht nur mehr Mieterhöhungen, sondern auch kräftigere Mietforderungen der Vermieter. Während im Januar 2011 acht Prozent der Befragten erklärten, die Miete sei für sie um mehr als 15 Prozent angehoben worden, sagen dies jetzt bereits zwölf Prozent.

18 Prozent derjenigen, deren Miete in den vergangenen drei Jahren angehoben wurde, planen, in eine günstigere Wohnung umzuziehen. Das ist jedoch nicht leicht, weil es immer weniger preiswerte Wohnungen gibt. Im Januar 2011 erklärten noch 25 Prozent der Befragten, sich eine billigere Wohnung suchen zu wollen. Fast jeder Vierte (24 Prozent) ist mit seiner Wohnung derzeit nicht zufrieden. Das sind etwas mehr als noch vor zwei Jahren (22 Prozent).

Siebtgrößtes Problem der Stadt

Zwischen den ehemals getrennten Stadthälften gibt es dabei deutliche Unterschiede. Während in den westlichen Bezirken 27 Prozent der Befragten lieber eine andere Wohnung hätten, sind es in den östlichen lediglich 20 Prozent. 68 Prozent der Befragten, die eine neue Bleibe suchen, erklärten, dass sie Schwierigkeiten hätten, eine andere Wohnung zu finden. Zum Vergleich: Im Januar 2011 sagten dies 65 Prozent.

Dass es immer schwieriger wird, eine neue Wohnung zu finden, liegt an der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Denn die Zahl der leerstehenden Wohnungen sinkt. Zugleich steigt die Zahl der Haushalte weiter an. Noch vor einem Jahr spielte das Thema „Wohnungsnot“ für die Berliner keine Rolle. Doch seit Beginn dieses Jahres hat sich das geändert. Mittlerweile ist für zwölf Prozent der Befragten die Wohnungsnot eines der größten Probleme in der Stadt. Auf der Skala der größten Probleme steht das Thema bereits auf Rang 7.

„Die Belastung für die Menschen wird immer größer“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. „Wir brauchen jetzt schnelle Hilfe.“ Die Mietsteigerungen müssten stärker begrenzt werden und mehr neue Wohnungen entstehen. Außerdem müsse die Zweckentfremdung von Wohnraum zu gewerblichen Zwecken bekämpft werden.