US-Präsident Donald Trump.
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WashingtonEigentlich hätte es sich der Präsident bei seiner jährlichen Super-Bowl-Party an seinem Wintersitz von Mar-a-Lago gut gehen lassen können. „Wir haben die besten Umfrage-Ergebnisse die wir jemals hatten“, raunte Donald Trump einer Gruppe von Gästen im Speisezimmer zu, das er zu den Klängen von „God Bless the U.S.A“ betrat.

Tatsächlich wird Trump das Impeachment unversehrt überstehen. Dank der republikanischen Mehrheit im Senat ist an diesem Mittwoch mit einem Freispruch zu rechnen. Die Amerikaner halten Trump laut einer Erhebung des Wall Street Journals zwar mit großer Mehrheit für schuldig, seine Macht missbraucht und den Kongress behindert zu haben, bleiben aber gespalten, ob er aus dem Amt entfernt werden sollte. 46 Prozent sind dafür, 49 Prozent dagegen. Damit wird Trump bei seiner „State of the Union“-Rede am Dienstag kaum behaupten können, die Amerikaner seien ein vereintes Volk.

Trump dürfte sich nun unverwundbar fühlen und bestätigt in seinem Credo, das er auf den durchgesickerten „Hollywood-Access“-Videos verkündet hatte. „Wenn Du ein Star bist, lassen sie dich alles machen“, erklärte er damals, warum er ungestraft Frauen sexuell angreifen dürfe. „Du kannst alles machen.“

Kansas liegt nicht in Kansas

Seine Fans im Kongress und Mar-a-Lago bestätigen das. „Wie immer hat unser Präsident einen weiteren Sieg errungen“, jubilierte Toni Kramer, der in diesem Jahr die Footballparty für Trump ausgerichtet hat. „Er hat den Super-Bowl von Washington gewonnen“, sagt der Trump-Sponsor einem Reporter vor Ort.

Doch Feierlaune wollte sich beim Präsidenten nicht so recht einstellen. Trump musste auch während des Footballfests an seine demokratischen Widersacher denken. In einem vorab aufgezeichneten Interview mit seinem Lieblingsstichwortgeber auf Fox, Sean Hannity, zog er über seine potenziellen Herausforderer her. Der „schläfrige“ Joe Biden bekam sein Fett ebenso ab wie Elizabeth Warren. Und Bernie Sanders stempelte Trump als „Kommunisten“ ab und erweckte den falschen Eindruck, er habe in Moskau geheiratet. Er selber präsentierte sich als Opfer einer Hexenjagd. „Das war sehr unfair.“

Ganz besonders ging Trump sein alter Gegenspieler Michael Bloomberg unter die Haut, der versprochen hat, dafür zu sorgen, dass Trump nicht wiedergewählt wird. Egal, ob er selber Kandidat wird oder ein anderer Demokrat. Bloomberg gab bereits 170 Millionen Dollar im Wahlkampf aus und schaltete für zehn Millionen Dollar Werbezeit beim Super-Bowl. Darin ging es allerdings nicht um Trump, sondern sein Engagement gegen die Massenschießereien im Land.

Der Präsident wollte dem nicht nachstehen und schaltete für die gleiche Summe ebenfalls zwei Spots, in denen er schamlos Wahlwerbung betrieb. Eigentlich ein Tabu bei dem nationalen Sportfest, das rund 100 Millionen Menschen verfolgen. Dass Fox vor der exklusiven Liveübertragung das Gefälligkeitsinterview mit Hannity ausstrahlte, zeigt nach Ansicht von Analysten wie sehr das Weiße Haus und der Sender inzwischen verschmolzen sind.

Trump behauptete der körperlich kleine Bloomberg habe für seine Debatte bei den Demokraten eine Kiste verlangt, auf der er stehen kann. Eine Sprecherin des Bloomberg-Teams feuerte zurück. „Er ist ein pathologischer Lügner, der über alles lügt: seine falschen Haare, seine Fettleibigkeit, seine aufgesprühte Bräune.“

Statt seine Super-Bowl-Party zu genießen, verwechselte Trump in seiner Rage am Ende den Bundesstaat, aus dem die siegreichen Kansas Chiefs kommen. „Sie repräsentieren den großartigen Staat von Kansas“. Tatsächlich kommt das Team aus Missouri. Zehn Minuten später war der Tweet gelöscht.