US-Präsident Donald Trump hält das Verfahren für eine „Hexenjagd“.
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WashingtonDie Gesichter waren ernst, als Parlamentssprecherin Nancy Pelosi mit sechs führenden Abgeordneten am Dienstagmorgen im Kapitol ans Mikrofon trat. „Wir haben einen Eid geschworen, die Verfassung zu schützen“, sagte die große alte Dame der US-Demokraten. Dieser Eid zwinge jetzt zum Handeln. „Die Beweise für das Fehlverhalten des Präsidenten sind überwältigend und unbestreitbar“, ergänzte Adam Schiff, der Chef des Geheimdienstausschusses. Wenn man weiter abwarte, gebe man Donald Trump die Chance, „noch eine Wahl zu manipulieren“.

Anklage: Machtmissbrauch und Behinderung der Arbeit des Kongresses

Also treiben die Demokraten zwei Monate nach Eröffnung der Untersuchung in der Ukraine-Affäre das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump auf die Spitze. Sie wollen den Präsidenten wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Arbeit des Kongresses anklagen. Wenn der Justizausschuss die erforderlichen Dokumente wie erwartet am Donnerstag durchwinkt, soll es nächste Woche – spätestens am 20. Dezember – zur Abstimmung im Repräsentantenhaus kommen. Die Mehrheit der Demokraten steht. Zu Weihnachten wäre Trump dann nach Andrew Johnson 1868 und Bill Clinton 1998 der dritte Präsident der Geschichte unter einer Impeachment-Anklage.

Die Amtsenthebung spaltet das Land. Nicht nur die Republikaner halten massiv dagegen. Auch demokratische Abgeordnete aus strukturkonservativen Wahlkreisen stehen unter Druck. Deshalb versucht Pelosi jeden Eindruck der Parteitaktik zu vermeiden. Und wohl auch deshalb wurde die Anklage auf zwei Punkte begrenzt. Weder die Behinderung der Justiz durch Trump bei den Mueller-Untersuchungen, noch der Vorwurf der Bestechung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden aufgenommen.

Anklagepunkte konzentrieren sich auf Ukraine-Affäre

Die beiden Anklagepunkte konzentrieren sich auf den Kern der Ukraine-Affäre, bei der Trump nach Aussagen zahlreicher Zeugen versuchte, die Ukraine zu einer Schmutzkampagne gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden zu erpressen. Das wäre der Machtmissbrauch. Die Arbeit des Kongresses behindert hat Trump nach Meinung der Demokraten, weil er Regierungsmitarbeitern die Aussagen vor den Untersuchungsausschüssen verweigerte und wichtige Dokumente zurückhielt. Durch eine Begrenzung der Anklage hofft Pelosi die Zahl der Abweichler deutlich einstellig halten zu können.

Im Senat freilich dominieren die Republikaner. Und eben dort fällt nach einem prozessähnlichen Verfahren, das im Januar über die Bühne gehen sollte, die endgültige Entscheidung. Dazu müssten 20 Republikaner gegen den Präsidenten stimmen – was extrem unwahrscheinlich ist. Es spricht daher vieles dafür, dass Trumps Absetzung scheitern könnte.