Erfurt - Junge Frauen in Pflegeberufen sowie Hebammen stehen einer Impfung gegen das Coronavirus besonders skeptisch gegenüber. Darunter sind besonders oft Schwangere oder Frauen, die schwanger werden wollen. Das geht aus einer Sonderauswertung der fortlaufenden Cosmo-Studie der Universität Erfurt hervor.

Das „Cosmo Covid-19 Snapshot Monitoring“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Universität Erfurt, Robert-Koch-Institut, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Leibniz-Institut für Psychologie, Science Media Center, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und Yale Institute for Global Health. Ziel des Projekts ist es, immer wieder Einblick zu erhalten, wie die Bevölkerung die Corona-Pandemie wahrnimmt. Im wöchentlichen bis zweiwöchentlichen Abstand werden seit März 2020 in allen Bundesländern repräsentativ Menschen befragt. Geleitet wird das Projekt von der Gesundheitswissenschaftlerin Cornelia Betsch.

In der aktuellen Veröffentlichung wird die Impfskepsis unter medizinischem Personal im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung betrachtet. Aus Studien ist bereits hervorgegangen, dass die Impfbereitschaft bei Ärzten, Pharmazeuten und Physiotherapeuten sehr hoch ist (71 bis 89 Prozent). Dagegen wollen sich nur 23 bis 36 Prozent der Beschäftigten im Bereich Pflegepersonal und Hebammen impfen lassen.

Zweifel an der Sicherheit der Impfung

Als Gründe werden vor allem Zweifel an der Sicherheit der Impfung und Kritik am straffen Zeitplan der Entwicklung angegeben, das Fehlen von Langzeitstudien, der Mangel an Kommunikation über Nebenwirkungen, der Wunsch nach weiterer Forschung und Erkenntnissen, Zweifel an der Wirksamkeit der Impfung, das politische Klima und Misstrauen gegenüber Pharmaunternehmen.

Im Rahmen der Cosmo-Studie machen Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, nur eine kleine, zufällig befragte Gruppe aus. Insofern ist die Aussagekraft eingeschränkt. Aus den gewonnenen Daten geht hervor, dass die Impfbereitschaft bei medizinischem Personal insgesamt knapp unter der Bereitschaft von Beschäftigten anderer Berufsgruppen liegt.

Der Befragung zufolge nutzen Krankenpfleger weniger häufig das nationale Gesundheitsportal der Regierung zur Information als Ärzte. Pflegekräfte informieren sich öfter in klassischen Medien wie Tageszeitungen und Zeitschriften.

Vertrauen in die Sicherheit der Impfung gilt als wichtigster Faktor. Das Vertrauen ist höher unter Mitarbeitenden in Gesundheitsberufen, wenn sie sich häufiger über die Pandemie informieren und mehr Vertrauen in die offiziellen Institutionen haben. Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, haben teilweise größere Sicherheitsbedenken, halten die Impfung eher für überflüssig, fühlen sich zunehmend durch praktische Barrieren vom Impfen abgehalten und haben ein ebenso hohes Informationsbedürfnis wie die Allgemeinbevölkerung. Circa 50 Prozent fühlen sich nicht gut informiert.