Berlin - Es war ein einigermaßen kurioses Schauspiel, das sich am Montagabend in Form einer Pressekonferenz an den Impfgipfel der Bundesregierung anschloss. Dabei mutete die Szenerie an sich geradezu vertraut an: Angela Merkel gab ihr Statement ab, dann redeten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, die die Kanzlerin wie gewohnt flankierten. Es folgten die Fragen der Presse. Soweit so bekannt.

Kurios an der Darbietung war die Tatsache, dass Merkel, Müller und Söder den Eindruck vermittelten, als wären sie nicht das eingespielte Team, das schon etliche Male vor der blauen Wand im Kanzleramt platzgenommen hatte. Es wirkte stattdessen so, als hätten sie sich zum allerersten Mal getroffen, um über die Corona-Krise zu beraten und ihr dem Anschein nach neu errungenes Wissen mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Zusammenfassen lässt sich das etwa wie folgt: Die Pharmabranche hat die Impfstoffproduktion erklärt. Die ist äußerst komplex. Deswegen dauert alles etwas länger. Aber die Zusage, bis Ende des Sommers würden alle Impfwilligen ein Impfangebot bekommen, gelte nach wie vor. Es sei denn, es komme etwas dazwischen. Dann dauere es eben noch ein bisschen länger. In jedem Fall habe man viel voneinander gelernt.

Neue Erkenntnisse oder konstruktive Richtungsentscheidungen, die den Impfprozess im Land vorantreiben könnten, wurden nicht verkündet, Millionen Bürgerinnen und Bürger, die sehnsüchtig auf einen Impftermin warten, blieben auch am Montagabend einigermaßen ratlos zurück.

Am Ende des Abends ließ sich der Eindruck nur schwer abschütteln, dass dieser Impfgipfel – den die Opposition übrigens schon vor Wochen gefordert hatte – vor allem der Wissenserweiterung der teilnehmenden Personen genützt hat, die eine Abstimmung mit allen am Impfprozess beteiligten Akteuren bislang offenbar nicht für nötig gehalten hatten. Die Entwicklung einer echten Strategie, wie sie so oft versprochen wurde, sieht anders aus.