Forscher brauchen Geduld. Bis zum neuen Impfstoff ist es ein weiter Weg. 
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BerlinIsraelische Wissenschaftler sind sich ziemlich sicher, dass sie kurz davor stehen, eine Human-Impfung gegen Covid-19 produzieren zu können. Das Forschungsteam MIGAL behauptet, dass dieser Durchbruch quasi ein Glücksfall sein werde, ja, ein Zufallsprodukt. 

Denn eigentlich entwickeln die Wissenschaftler Impfstoffe gegen Hühnerseuchen und Bronchialinfekte in der Geflügelwirtschaft. Der Chef der Gruppe, Chen Katz, versucht seit vier Jahren, eine Impftechnologie zu entwickeln, die nicht nur gegen spezifische Viren, sondern grundsätzlich gegen typische Transmissionsarten der Vogelgrippen wirkt.

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So entwickelten die Wissenschaftler unter seiner Leitung einen neuen Protein-Expression-Vektor, der die tierischen Schleimhäute mit einem löslichen Eiweiß beliefert und dabei einen Prozess auslöst, in dem der Tierkörper selber Antikörper gegen das Virus produziert. Katz war selbst überrascht, wie sehr das Sars-CoV-2-Virus genetisch seinen Laborviren ähnelte und wie ähnlich sie im menschlichen Körper vorgehen. Nur ein paar Wochen meinen die Wissenschaftler noch zu brauchen. Danach könne ein Oral-Impfstoff massenhaft produziert werden.

In ein paar Jahren gibt es eine grippeartige Erkrankung namens Covid-19

Und so  wird eine Nation mit ihren nicht mal neun Millionen Einwohnern möglicherweise wichtig für die  Weltbevölkerung. Israelische Wissenschaftler haben keine grundsätzlich andere Bedingungen als Wissenschaftler anderswo. In diesem Fall waren sie vielleicht einfach geschickter und zielstrebiger als andere. Wie einst Jonas Salk (1914–1995), Kind osteuropäischer Juden, der die Polio-Impfung entwickelt hat.

Nach sieben Forschungsjahren hatte dieser Arzt eine Impfung entwickelt. Fast zwei Millionen Schulkinder wurden getestet in dem aufwendigsten Programm seiner Art in der Weltgeschichte. Die USA war atomare Supermacht, aber noch 1952 hatten sich 58.000 Menschen mit zum Teil verheerenden Konsequenzen mit Polio infiziert.

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Am 12. April des Jahres 1955 konnte Jonas Salk die Entwarnung geben. Er wurde als Wunderarzt gefeiert. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet allerdings frühestens 2021 mit einem Impfstoff.

„In ein paar Jahren werden wir mit einer weiteren grippeartigen Erkrankung leben, die Covid-19 heißt und gegen die wir impfen können. Jetzt gilt es den Übergang zu managen“, sagte Montgomery der Passauer Neuen Presse vom Freitag.

Wie bereits berichtet, wollen auch Forscher in den USA und China im April bereits erste Testphasen beginnen. Doch die Technik der Impfstoff-Gewinnung und -zulassung dauert mindestens ein Jahr, wie Experten sagen. Wahrscheinlich würde das auch das israelische Projekt betreffen.