Es ist der größte Kokainfund, den die Berliner Polizei je gemacht hat: In insgesamt 14 Berliner und Brandenburger Aldi-Filialen entdeckte sie am Montag insgesamt 386 Kilogramm Kokain. Mitarbeiter des Handelsunternehmens fanden am Morgen in Bananenkisten Pakete mit einer verdächtigen weißen Substanz. Sie informierten die Polizei, die die Pakete beschlagnahmte. Die meisten Drogenpakete waren im Ostteil der Stadt gefunden worden.

Die Päckchen wurden ins Landeskriminalamt zur chemischen Analyse gebracht. Ein Schnelltest ergab einen Reinheitsgrad von mehr als 80 Prozent. Für den Straßenverkauf wird es üblicherweise auf 30 bis 25 Prozent gestreckt. Den Marktwert beziffert die Polizei auf rund 15 Millionen Euro. Das Rauschgift wird jetzt vernichtet.

Fehlgeleitete Lieferung

Zur Herkunft des Rauschgifts konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Ausgeliefert wurden die Bananenkisten aus dem zentralen Großmarkt an der Beusselstraße in das Aldi-Großlager in Mittenwalde südlich von Berlin, von wo sie auf die Filialen verteilt wurden. Das Rauschgiftdezernat des Landeskriminalamtes durchsuchte am Montag mehrere Objekte, darunter auch den Großmarkt an der Beusselstraße. Lieferunterlagen seien sichergestellt, jedoch noch nicht ausgewertet worden, hieß es im Landeskriminalamt.

Kokain in Bananenkisten, die für Aldi bestimmt sind, das gab es in Berlin bereits. Aber nicht in dieser Menge, sagte ein Polizeisprecher. Im Januar vergangenen Jahres waren in Aldi-Filialen mehr als 140 Kilogramm Kokain entdeckt worden. Dabei handelte es sich um eine fehlgeleitete Drogenlieferung aus Kolumbien, die eigentlich für England bestimmt war, wo die Empfänger vergeblich darauf warteten. Denn wegen schlechten Wetters war das Frachtschiff Maersk Niteroi sechs Tage zu spät in Rotterdam eingelaufen.

Da war das Termingeschäft abgelaufen, und das Schiff fuhr weiter nach Hamburg, wo ein Großhändler die Bananenkisten billig kaufte und an Großhändler in Berlin weiter veräußerte. So landeten die Kartons bei Discountern in Köpenick, Reinickendorf, Lichtenberg, Rahnsdorf und im brandenburgischen Velten. Es war der zweitgrößte Drogenfund in Berlin seit 1990. Der Wert der Lieferung wurde auf sechs Millionen Euro geschätzt. Möglicherweise handelt es sich bei dem jüngsten Fund ebenfalls um eine Fehllieferung wie im vergangenen Jahr. „Es sieht so aus“, sagte ein Ermittler.

Koks auch im Kaffee

Nicht nur Bananenkisten sind bei den Schmugglern beliebt, sondern auch Behältnisse, gefüllt mit Kaffee. Im Dezember 2014 fand die Polizei in einer Reinickendorfer Kaffeerösterei 33 Kilo „Koks“. Sie waren in einem Container mit Rohkaffee versteckt, der aus Südamerika angeliefert wurde.

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