Nach fest kommt ab, sagt der Klempner, wenn zu sehr an einer Schraube gedreht wurde. Im monatelangen Streit um das Besuchsrecht für deutsche Abgeordnete auf dem Bundeswehrstützpunkt Incirlik in der Türkei ist genau das nun passiert: Schraube abgebrochen, Beziehung kaputt. Die türkische Regierung war nicht zum Einlenken bereit, die deutsche sollte sich nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen.

Deutsch-türkisches Verhältnis schwer belastet

Nun ist der Schaden da. Man kann nur noch sagen: Dann ist es eben so. Das deutsch-türkische Verhältnis ist seit langem schwer belastet und es ist überhaupt nicht erkennbar, wie sich das ändern soll bei dieser türkischen Regierung. Außenminister Gabriel hat alles versucht, immerhin, aber es sah schon vor seiner Reise nicht danach aus, als würde die türkische Regierung im Besuchsstreit einlenken. Für die Bundesregierung gibt es nun keine Alternative mehr. Sie muss ihre Soldaten abziehen, sie wird es tun.

Das ist aus zwei Gründen richtig: Einmal, um ein Zeichen zu setzen. Nach monatelangen wüsten Beschimpfungen durch den türkischen Staatschef Erdogan, nach Nazi-Vergleichen und der Verhaftung von deutschen Journalisten, ist es an der Zeit, auf Worte auch einmal Taten folgen zu lassen. Und so gravierend ist der Abzug auch wieder nicht. Ein Zeichen, deutlich, aber mehr nicht.

In der Sache selbst ändert sich nichts

Andererseits: In Incirlik sind 260 Soldaten mit ihren Flugzeugen stationiert. In Zukunft werden sie eben von Jordanien aus ihren Dienst tun müssen. Das ist zwar teurer, weiter und umständlicher, aber machbar. Die Beteiligung im Kampf gegen die Mörder des IS geht also weiter. In der Sache selbst ändert sich also nichts.

Mit dem Abzug der Soldaten nimmt man der türkischen Regierung ein Spielzeug aus der Hand, ein Druckmittel, das sie ausgiebig nutzte, um Berlin zu ärgern. Erdogan und seinen Mitstreitern, soviel darf man aber vorhersagen, fällt sicher ganz schnell etwas anderes ein. Alles andere wäre wirklich eine Überraschung.