Integrationsgipfel: Anonymisierte Bewerbungen sollen für Chancengleichheit sorgen

Berlin - Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und die Türkische Gemeinde in Deutschland sprechen sich im Vorfeld des Integrationsgipfels bei Kanzlerin Angela Merkel in einem gemeinsamen Appell für anonymisierte Bewerbungen aus. In dem Appell heißt es, junge Migranten hätten auch bei gleicher Qualifikation geringere Chancen. Arbeitgeber ließen so ein großes Potenzial ungenutzt.

Bei Betroffenen könnten Benachteiligungen zudem Resignation auslösen. „Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und die Türkische Gemeinde in Deutschland appellieren deshalb an öffentliche und private Arbeitgeber in Deutschland, durch die Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren Chancengleichheit im Bewerbungsprozess sicherzustellen.“ Ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle sei erfolgreich gewesen, hieß es. Die Türkische Gemeinde werde das Verfahren ab sofort anwenden.

Merkel lehnt Verfahren ab

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, sagte der Berliner Zeitung: „Anonymisierte Bewerbungsverfahren sind ein ganz wichtiges Instrument für Chancengleichheit im Bewerbungsprozess. Kein Arbeitgeber kann es sich leisten, in Zeiten des Fachkräftemangels Bewerbende auszuschließen. Ich kann nur jeder Institution raten – ob Unternehmen oder öffentlicher Einrichtung: Probieren sie das anonymisierte Bewerbungsverfahren aus und überzeugen Sie sich von den Vorteilen.“

Merkel selbst hat in ihrer Video-Botschaft am Samstag Diskriminierungen von Einwanderern durch Firmen beklagt. Von anonymen Bewerbungen hält sie jedoch nichts. Die Integration junger Migranten in den Arbeitsmarkt wird Schwerpunkt des heutigen Gipfels sein.