Berlin - Während die politische Öffentlichkeit in Deutschland seit einigen Tagen intensiv darüber diskutiert, wie den von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) brutal bedrängten Jesiden im Nordirak geholfen werden kann, geht der Salafisten-Prediger Pierre Vogel einen anderen Weg. Bei Facebook postete der 1978 im rheinischen Frechen geborene Ex-Boxer am Mittwoch einen Aufruf an die um Leib und Leben fürchtenden Menschen, doch einfach zu konvertieren.

Am Mittwoch schrieb Vogel alias Abu Hamza: „Für unsere lieben jesidischen Mitbürger haben wir nun aus Liebe eine Jesiden-Hotline eingerichtet. Unter dieser Nummer könnt ihr gerne anrufen und zum Islam übertreten, um vor der Hölle gerettet zu sein. Eine junge Frau hat den Islam bereits angenommen.“ Es folgen die Nennung einer Handy-Nummer und der Aufruf: „Traut euch!!!! Habt keine Angst vor euren Familien!!! Werdet noch heute Muslime!!!!! Werdet heute noch Anhänger der einzig wahren Religion!!!“ 

Am Donnerstag meldete der 2001 zum Islam Konvertierte dann bereits: „Die Jesiden-Hotline war bisher ein voller Erfolg. Das Telefon stand nicht mehr still, und es kam zu vielen schönen Gesprächen, die teilweise eine Stunde dauerten. Vielen Dank auch an die Jesiden, die dies möglich gemacht haben und kommuniziert haben, ohne zu beleidigen.“ Natürlich habe es „auch wieder Morddrohungen, Beleidigungen und unsachliche Vorwürfe“ gegeben. „Aber die positiven Gespräche waren wertvoller.“ Vogel, der mittlerweile in Hamburg lebt, sieht einen ersten „Schritt zur besseren Verständigung“. 

An der Schwelle zur Strafbarkeit

Der Salafist gilt seit Jahren als zentrale Figur der Szene und trat auch schon in Fernseh-Talkshows auf. Bekannt ist, dass sich aus der salafistischen Szene jene rekrutieren und rekrutiert werden, die aus Deutschland nach Syrien und neuerdings auch in den Irak in den Krieg ziehen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezifferte sie zuletzt auf 400; 25 seien bisher zurückkehrt. Erst kürzlich sollen Islamisten im westfälischen Herford Jesiden angegriffen haben. Allerdings ist Vogel clever. So will er vor Jahren eines der Mitglieder der islamistischen Sauerland-Gruppe in Mekka getroffen, ihm aber von Anschlägen abgeraten haben. Die islamistischen Kämpfer in Syrien nannte er „Freiheitskämpfer“, ruft jedoch angeblich nicht dazu auf, sich ihnen anzuschließen. Vogel tänzelt an der Schwelle zur Strafbarkeit, ohne sie zu überschreiten.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte dieser Zeitung mit Blick auf Vogels Aufruf: „Strafrechtlich dürfte das nicht relevant sein. Denn es ist ja keine Drohung oder Nötigung. Aber der Vorgang zeigt, wessen Geistes Kind Pierre Vogel ist. Zwischen den Zeilen steht: Ihr könnte Euer Leben retten, wenn Ihr zum Islam übertretet. Das ist perfide.“ Noch erschreckender finde er die Zahl der Likes, so Bosbach. 845 Frauen und Männer quittierten die beiden Vogel-Posts bis Freitagmittag mit „Gefällt mir“, 284 teilten die Inhalte. Der CDU-Politiker mahnte deshalb: „Man sollte erneut prüfen, ob öffentliche Kundgebungen mit Pierre Vogel nicht verboten werden können.“ Dass gegen sein Treiben nicht entschlossener vorgegangen werde, sei „erneut ein Indiz dafür, dass wir an der falschen Stelle tolerant sind“.