Berlin - Emmi Zeulner von der CSU ist eine der jüngsten Abgeordneten des Bundestags und leidenschaftliche Gegnerin einer Legalisierung von Cannabis. Sie hat sich aber intensiv dafür eingesetzt, dass Cannabis als Medizin von den Krankenkassen bezahlt wird. Das Gesetz beschließt der Bundestag am Donnerstag.

Frau Zeulner, sie sind eine Hardlinerin in Sachen Cannabis-Legalisierung, haben sich aber sehr dafür eingesetzt, dass der Staat nun Drogen anbaut und verkauft. Können Sie uns das erklären?

Das ist ja nun wirklich eine unzulässig Verkürzung dessen, was wir vorhaben. Wir öffnen uns im Sinne der Patienten für eine neue Therapiemöglichkeit.

Gut, ich wollte Sie ein wenig provozieren, weil ich ihre harte Haltung gegenüber der generellen Freigabe von Cannabis nicht teile. Was beschließt der Bundestag am Donnerstag?

Schwerstkranken Menschen kann nun künftig auch Cannabis als Blüten oder Extrakt ärztlich verschrieben werden. Für Schmerzpatienten, besonders in der Palliativversorgung, können diese Hanfformen deutliche Verbesserung bringen. Schmerzen werden gelindert, die Appetitlosigkeit sinkt, Schlafstörungen nehmen ab. Bisher waren in Deutschland nur Fertigarzneimittel auf Cannabisbasis verfügbar, die synthetische Bestandteile enthalten.

Patienten können heute schon mit einer Sondergenehmigung Hanfblüten in der Apotheke bekommen oder sogar selbst Hanf anbauen. Was ändert sich?

Man musste über die Bundesopiumstelle eine Ausnahmegenehmigung oder, wie 2016 geschehen, eine gerichtliche Entscheidung für den Eigenanbau erwirken. Alles kostenintensiv und umständlich für Schwerstkranke. Unser Ziel ist es, die Qualität zu sichern, den Anbau staatlich zu kontrollieren und parallel die Patienten bürokratisch und finanziell zu entlasten. Künftig bekommt der Patient ein Rezept vom Arzt und die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Von wie vielen Patienten sprechen wir?

Derzeit haben 1020 Patienten eine Sondergenehmigung für den Bezug von Blüten und Extrakt, zwei Patienten dürfen Hanf selbst anbauen. Ich gehe von einem Anstieg der Zahl der Patienten aus, jedoch wird sich dies vermutlich im Rahmen halten. Die Zielgruppe sind Schwerstkranke und Sterbende und nicht jeder Rückenschmerz, weshalb ich keine explosionsartige Erhöhung erwarte.

Was kostet das die Kassen?

Wie bei jeder Einführung einer neuen Therapieform, werden selbstverständlich Kosten auf die Kassen zukommen. Man muss aber berücksichtigen, dass Cannabis-Präparate oftmals andere, teurere Medikamente wie Morphine oder Opiate ersetzen werden. Die monatlichen Therapiekosten für die Blüten liegen je nach Bedarf zwischen 540 bis 1800 Euro pro Monat. Entscheidend ist für mich, dass der Nutzen für die Patienten die Kosten überwiegt.