Rote Laterne für Sachsen

Aber Sachsen ist schon anders. Hier geht es eindeutig härter und aggressiver zu.

Einerseits. Andererseits: Was in Sachsen vor allem auffällt, ist die Reaktion auf derartige Vorfälle. Sächsischen Regierungen und auch etlichen Bürgern hat es bis heute an der nötigen Entschlossenheit im Auftreten gefehlt. Es hieß in Sachsen immer, man müsse gegen Extremismus von links und rechts vorgehen. Es wurde alles vermischt, anstatt sich klar gegen rechte Gewalttaten abzugrenzen, die nun einmal deutlich häufiger passieren. Man hat es sich zu leicht gemacht. 

Wer in Dresden Pegida-Versammlungen zuhört, muss den Eindruck gewinnen, es gehe nicht um eine andere Politik. Sondern um Umsturz.

Ja, vieles deutet darauf hin. Und „Merkel muss weg“ ist da nur ein Symbol. Es geht längst um mehr, aber es ist schwer zu sagen, was die Demonstranten eigentlich nach dem Umsturz wollen. Das sind Menschen, die sich ja auch am politischen Prozess beteiligen könnten, wenn sie etwas verbessern wollten. Aber das tun sie nicht. Sie stellen sich auf einen Platz, schreien und stellen Forderungen. Sie verstehen Politik wie ein Dienstleistung. Und wenn nicht das gewünschte Produkt geliefert wird, dann kracht es. 

Kann man noch mit denen reden, die „Wir sind das Volk“ schreien? Und wenn ja, was?

Gespräch ist die Grundlage der Demokratie. Wenn wir nicht mehr miteinander reden, können wir den Betrieb einstellen. Aber viele haben überhaupt keine Geduld, sehen auch gar nicht mehr, dass man andere Meinungen respektieren sollte. Ehrlich gesagt, sehe ich nicht, wie man schnell ins Gespräch kommen könnte. Ich weiß nicht, wie sich das Defizit zügig beheben ließe.

Mehr politische Bildung? Aufklärung?

Sachsen hat seit langem die Rote Laterne unter den Bundesländern bei der politischen Bildung. Nach der Wende hat man in Sachsen aus Gründen der Sparsamkeit ältere Lehrer für den Unterricht in Gemeinschaftskunde notdürftig umgeschult anstatt jungen engagierten Nachwuchs für die politische Bildung heranzuziehen.

Vorgeblich um der parteipolitischen Indoktrination zu wehren, blieben für lange Zeit die Türen zu Schulen, sogar zu den Hochschulen für aktive Politiker verschlossen. Jeglicher Konflikt, politische Streit sollte von den Menschen ferngehalten werden.

Und die Folge?

Eine verqueres Verständnis. Politik wird von vielen immer noch nicht als etwas verstanden, zu dem man unterschiedliche oder gegensätzliche Positionen vertreten kann. Politik - und auch Medien - sollen die „Wahrheit“ liefern.