Hugh Jackman ist eine treue Seele, und das nicht nur für seine Ehefrau, mit der er seit 20 Jahren verheiratet ist. Auch der Figur Wolverine hielt der Australier lange die Stange. In der Comicverfilmung „X-Men“ spielte er im Jahr 2000 erstmals den haarigen Mutanten. Doch damit ist nun Schluss: In „Logan – The Wolverine“ schlüpft Jackman letztmalig in die Rolle des krallenbewehrten Kriegers. Zum Interview in Berlin treffen wir den 48-Jährigen mit Pflaster auf der Nase: Kurz vorher hatte er sich wegen Hautkrebs unters Messer legen müssen.

Mr. Jackman, schön dass Sie hier sind. Angesichts Ihrer neuesten Hautkrebs-Episode nicht selbstverständlich ...

Ach, das ist ein Basalzellkarzinom, also die harmloseste Form von Hautkrebs. Ist bei mir schon zum sechsten Mal aufgetreten. Unter Australiern meines Alters ist davon mehr als die Hälfte betroffen. Als ich klein war, benutzten wir leider nie Sonnencreme. Meine Eltern kamen aus England, die hatten sich mit Sonne nie wirklich beschäftigt.

Warum machen Sie die Krankheit überhaupt publik?

Zum einen will ich ein bisschen Luft aus den Segeln nehmen und den Leuten klar machen: Es ist halb so wild, ich sterbe nicht. Außerdem ist das mit dem Hautkrebs keine Sache ausschließlich meiner Generation. Auch 19-Jährige heutzutage wollen einfach Spaß am Strand haben und denken nicht darüber nach, was die Sonne anrichten kann. Also kann es vielleicht nicht schaden, wenn Wolverine ihnen sagt, sie sollen Sonnencreme benutzen und sich auch regelmäßig untersuchen lassen.

Obendrein plagte Sie doch auch noch eine Quecksilbervergiftung?

Als ich – wie übrigens viele andere auch – zu Hause in New York den Brief vom Gesundheitsamt bekam, dass meine Quecksilberwerte viel zu hoch sind, war ich ganz schön überrascht. Aber das ist zum Glück ausgestanden.

Wie kam es denn dazu?

Ich fürchte, dass Thunfisch aus der Dose schuld ist. Als ich zu Beginn meiner Karriere die Hauptrolle im Musical „Die Schöne und das Biest“ übernahm, musste ich Muskelmasse aufbauen. Zehn Hühnerbrüste am Tag konnte ich mir damals nicht leisten – Dosenthunfisch war die beste Alternative. Nur ans Quecksilber habe ich nicht gedacht. Bei mir war die Vergiftung aber vergleichsweise harmlos. Ich habe das dann als Inspiration für die Arbeit an „Logan“ genommen. Denn Logan, also der Wolverine, siecht ja langsam dahin, und diese Symptome erschienen mir passend für jemanden, dessen Immunsystem nach jahrelangem Kampf gegen das Metall im eigenen Körper irgendwann aufgibt. Seine Waffen – also die Metallklingen – sind letztlich sein Untergang. Dieser Gedanke gefiel mir.

„Logan“ ist Ihr Abschied von der legendären Wolverine-Rolle...

Keine Frage. Dies ist endgültig mein letzter Film als Wolverine – und ich habe ihn auch nur gedreht, weil ich genau das vorher für mich beschlossen habe. Ich wollte keine Hintertüren offen lassen. Und vor allem einen Film abliefern, mit dem ich guten Gewissens für immer als letztem Wolverine-Auftritt leben konnte.

Eine Rückkehr ist also wirklich ausgeschlossen?

Definitiv. Sollten Sie irgendwann sehen, wie sich seine Klingen aus einem Grab emporwühlen, dann können Sie sicher sein, dass das nicht meine Hand ist.

Erinnern Sie sich noch, wie das war, beim ersten „X-Men“?

Selbstverständlich, das war ja mein erster amerikanischer Film überhaupt. Ich war wie vom Donner gerührt, schließlich fand ich mich plötzlich in der Gesellschaft von Patrick Stewart und Ian McKellen wieder. Deren Auftritte mit der Royal Shakespeare Company hatten wir uns an der Schauspielschule wieder und wieder angesehen, um von den Besten zu lernen. Ich war vollkommen aus dem Häuschen. Unser Regisseur Bryan Singer meinte nach ein paar Tagen zu mir, es sei höchste Zeit, dass wir meine erste Kampfszene drehen würden. Mein Gesichtsausdruck war ihm wohl viel zu beseelt für eine Rolle wie Wolverine.

Und was nehmen Sie außer den Erinnerungen mit aus dieser Zeit?

Keine Frage, die Klingen! Meine Tochter ist jetzt elf Jahre alt, da stehen sicher bald die ersten Jungs vor der Tür. Da kann es doch nicht schaden, dem einen oder anderen schon zur Begrüßung Respekt einzuflößen.

Interview: Patrick Heidmann