Sie könnte sich damit begnügen, die Frau eines Oscargewinners zu sein. Mit ihrer Firma Eco-Age aber bringt die Italienerin Livia Giuggioli, verheiratete Firth, internationale Lifestyle- und Luxuskonzerne zum Umdenken und impft ihnen ökologisches Bewußtsein ein. Und das mit größtem Erfolg. Denn, so findet die 47-Jährige, unsere Fashion-Verrücktheit darf nicht auf Kosten von Menschenleben gehen.

Signora, wir benötigen erst einmal Nachhilfe: Wie spricht man Ihren Namen korrekt aus?

Livia Giuggioli – mit einem zweifachem „dsch“ und der Betonung auf der ersten Silbe. Das ist für die meisten schwierig. Daher machen Colin und ich es so: Ich bin außerhalb Italiens „Livia Firth“. Die Italiener dagegen haben große Probleme mit dem Namen und machen daraus ein „Firrrte“! (lacht) Deswegen nennen sie meinen Mann dort „Colin Giuggioli“.

Sie sind seit 1997 verheiratet. Wie sind Sie einander begegnet?

Ich habe damals in Rom für einen italienischen Filmproduzenten gearbeitet, als Assistentin und Produktionskoordinatorin. Wir haben unter anderem Mitte der Neunziger die Abenteuerserie „Nostromo“ gedreht. Da bin ich ihm am Set über den Weg gelaufen.

Während Ihr Mann bald darauf zu Mister Darcy wurde, dem Liebling aller Briten, entdeckten Sie das Thema Nachhaltigkeit. Wie kam es dazu?

Mein jüngerer Bruder, der in Rom Wirtschaft studiert hatte, zog zu Colin und mir nach London, um sein Englisch zu verbessern. Er war schon damals besessen vom Thema Nachhaltigkeit. Eines Tages fragte er uns, wo wir Solarzellen für unser Haus kaufen würden. Colin und ich hatten keine Ahnung. Und mein Bruder sagte: „Genau, das ist das Problem: Es gibt in London keinen Laden für ökologisch verträgliche Energielösungen. Darum werde ich der Erste sein, der so einen Laden eröffnet!“ Er fand Investoren, auch Colin und ich haben in die Firma investiert. Ehe ich mich versah, war ich mittendrin!

Angefangen hat Eco-Age also als kleiner Shop?

2007 haben wir den ersten Laden mit ökologisch hergestellten, farbenfrohen Haushalts- und Einrichtungsgegenständen eröffnet. Es muss ja nicht alles traurig und braun sein, was ökologisch korrekt ist, es geht auch bunt und sexy. Wir besaßen auch die weltweit erste Bibliothek für ökologische Gestaltung von Häusern, von Wandfarben über Bodenfliesen bis zu Küchenoberflächen. Bald kamen Innenarchitekten zu uns und informierten sich über ökologische Materialien. Ich habe diese Arbeit sofort geliebt!

Wie wurden Sie zur Aktivistin, die sich einmischt und auch Hollywood ein grünes Gewissen einhaucht?

Ich bin schon lange Oxfam-Botschafterin. 2008 reiste ich nach Bangladesch, um ein Programm gegen häusliche Gewalt zu starten. In England hatten mir Frauen aber schon von Menschenrechtsverletzungen bei der dortigen Textilproduktion erzählt. Also habe ich in der Hauptstadt Dhaka jemanden gebeten, mich in eine der Fabriken zu schmuggeln.

Wie sieht es in solchen Nähfabriken aus?

Schockierend. Der Eingang wurde von bewaffneten Männern kontrolliert. In dem Saal saßen Hunderte auf dem Boden und arbeiteten, die Fenster waren vergittert wie in einem Gefängnis, die Luft zum Schneiden. Bis auf eine Eingangstür gab es keine Notausgänge. Die Frauen durften nur zwei Mal am Tag zur Toilette und nähten zwölf bis vierzehn Stunden. Im Akkord fertigten sie mindestens 100 Kleidungsstücke an, pro Stunde. Und der Mindestlohn betrug 46 Dollar – pro Monat. In London sagte ich meinem Bruder: „Wir müssen das öffentlich machen und stärker ins Bewusstsein bringen. Wir müssen ökologische Mode verkaufen.“

Hat das Erlebnis dann alles ins Rollen gebracht, Ihren Kampf gegen die Fast Fashion-Industrie und auch Ihr Gütesiegel „Green Carpet Challenge“?

Ja, plötzlich kam alles in Bewegung. Eco-Age macht sich seitdem für Nachhaltigkeit in der Mode stark -– ob man sie grün nennt, ökologisch oder ethisch.

Hat Ihr Mann Ihr Engagement unterstützt?

Sehr. Colin wurde ein Jahr später für „A Single Man“ für den Oscar nominiert. Die britische Journalistin Lucy Siegle, die viel über Nachhaltigkeit schrieb, forderte mich öffentlich heraus, während der gesamten Award-Season auf allen Galas, inklusive der Oscarverleihung, ausschließlich in Öko-Mode aufzutauchen. Lucy war ja Expertin für das Thema, also sagte ich: „Die Wette gilt – aber du musst mir dabei helfen!“ Das Projekt nannten wir „Green Carpet Challenge“. Es war ja eine Art Wettkampf.

Hatten Sie eine Ahnung, ob das machbar sein würde?

Wir hatten keinen Schimmer! Aber als nächstes wurden wir von der Vogue ermuntert, einen Blog über unser Vorhaben zu schreiben.