Köln - Narzissmuss unter Kindern und Jugendlichen nimmt besonders in der westlichen Welt zu. Die Forschung ist sich einig, dass Narzissmus keine genetische Erbkrankheit ist, sondern Ergebnis einer fehlgeleiteten Erziehung.

Professor Bonelli, warum haben Sie das Buch über männlichen Narzissmus geschrieben?

Ich nehme wahr und sehe das auch bei meinen Patienten, dass sich Narzissmus immer mehr ausbreitet. Narzissmus ist ein Thema, mit dem wir uns zukünftig immer mehr beschäftigen müssen.

Warum gerade Narzissmus bei Männern und nicht bei Frauen?

Es gibt schon ein Buch über weiblichen Narzissmus. Weibliche Narzissten sind viel komplizierter. Sie sind vereinnahmender, aufdringlicher, machthungriger in Beziehungen. Ich finde, dass es Zeit wurde, endlich über männlichen Narzissmus zu schreiben, denn bei Männern tritt Narzissmus doppelt so häufig auf wie bei Frauen. Das wissen wir, aber wir wissen nicht warum.

Welchen Grund vermuten Sie?

Die Hypothese ist, dass Männer weniger empathisch sind als Frauen, weitaus aggressiver und rücksichtloser agieren. Sie schätzen sich höher ein und machen das nicht nur an Leistung fest, sondern auch an körperlichen Idealen.

Ich hätte gedacht, dass körperliche Ideale eher zum selbstverliebten Bild der Frauen gehören..

Frauen gehen bei der Körperlichkeit nach gängigen Idealen vor, also schlank gleich schön. Männer sind da flexibler und können auch einen Bierbauch als sexy definieren. Der Mann tut sich leichter damit, sich selbst zu idealisieren. Schönheit ist ein wichtiger Anteil des Narzissmus. Nehmen wir Berlusconi. Es hat schon etwas sehr Peinliches, wie er versucht, sein Alter zu negieren.