Mit seinem Auftritt als Zauberschüler Cedric Diggory in dem Film „Harry Potter und der Feuerkelch“ (2005) wurde Robert Pattinson einem größeren Publikum bekannt. Zum Mädchenschwarm avancierte der Brite in einer weiteren Fantasy-Produktion: Seit 2008 spielte er den charmanter Vampir Edward Cullen in den „Twilight“-Verfilmungen. Doch mochte sich Pattinson nie auf das Klischee des gut aussehenden Teeniestars festlegen lassen. In unserem Gespräch zeigt er sich vor allem von seiner nachdenklichen Seite.

Mr. Pattinson, die Safdie-Brüder waren als Filmemacher bislang eher Geheimtipps. Kannten Sie vor „Good Time“ Ihre Arbeit?

Nein, das kann ich nicht behaupten. Das erste, was ich von ihnen wahrnahm, war das Poster ihres Films „Heaven Knows What“. Als ich das sah, ahnte ich schon, dass die beiden mir gefallen würde. Der Trailer war dann sogar noch besser: Da spürte ich eine Energie, die es im Kino echt nicht oft zu sehen gibt. Wir haben uns bei unserem Meeting dann gut verstanden und ich war Feuer und Flamme für einen gemeinsamen Film. Und natürlich habe ich mir dann auch noch „Heaven Knows What“ angeschaut. Großartig!

Sie entscheiden sich seit geraumer Zeit fast nur noch für ungewöhnliche, anspruchsvolle Rollen. Wonach suchen Sie Ihre Filme aus?

Wenn ich das nur so genau benennen könnte. Eigentlich versuche ich einfach nur, Drehbücher zu finden, die nicht vorhersehbar sind. Und Figuren, die man nicht wirklich oft im Kino sieht. Ich möchte Filme drehen, die mich als Zuschauer umhauen würden. Nach denen man buchstäblich „wow“ sagt. Im Mainstream-Kino ist mir das, ehrlich gesagt, schon lange nicht mehr passiert. Wobei ich auch gar nicht genau weiß, was der Begriff Mainstream-Kino heutzutage bedeutet. Von Superhelden-Filmen mal abgesehen. Und die mag ich eigentlich sogar ganz gerne.

Tatsächlich? Hätten Sie Lust mal in einem mitzuspielen?

Ach, dafür bin ich nicht selbstbewusst genug. Ich glaube, man muss ein bestimmter Typ dafür sein, um überzeugend einen Superhelden verkörpern zu können. Da muss man so wirken, als könnte man die Welt retten. Ich bin so ziemlich das Gegenteil davon.

Haben Sie Selbstzweifel?

Aber hallo! Und je älter ich werde, desto größer scheinen die zu werden. Aber mich stört das gar nicht. Im Gegenteil habe ich gelernt, meine Unsicherheit irgendwie zu schätzen zu wissen. Wahrscheinlich ist das psychologisch gesehen ein bisschen ungesund. Und alle um mich herum sind sicherlich schwer davon genervt, dass ich mich gerne meinen Ängsten hingebe und immer erwarte, dass alles schief geht. Im Vorfeld der Premiere von „Good Time“ in Cannes war ich so nervös und aufgeregt, dass meine Augenlider angefangen haben sich zu schälen. Die wurden richtig blutig. Aber scheinbar waren blutige Augenlider ein echter Glücksbringer für den Film.

Trotzdem drehen Sie einen Film nach dem nächsten. Geht die Unsicherheit vor der Kamera verloren? Oder sind Sie nur schlecht im Nichtstun?

Oh, ich kann ganz gut herumhängen und nichts tun. Kommt auch oft genug im Jahr vor, keine Sorge. Aber tatsächlich drehe ich auch gerne, weil ich dabei lerne, mit meinem mangelnden Selbstvertrauen umzugehen. Bei jedem einzelnen Film stehe ich am Anfand da und habe nicht die geringste Idee, wie ich diese Aufgabe meistern soll. Wie ein Trottel stehe ich vor einem riesigen Berg den es zu erklimmen gilt. Es ist eine echte Herausforderung, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich das schaffen kann. Aber dann fange ich irgendwann einfach an – und meistens klappt es irgendwie. Und wenn ich die Sache am Ende gemeistert habe, fühlt sich das wirklich gut an.

In „Good Time“ sehen Sie mit Bart und zum Teil blondierten Haaren ganz schön – nun ja – verlottert aus. Sind Sie frei von Eitelkeit?

Als Schauspieler ist es immer hilfreich, die Eitelkeit möglichst außen vor zu lassen. Wenn du dir Sorgen darüber machst, ob die Zuschauer dich hässlich finden könnten, hast du ja den Kopf nicht frei fürs Wesentliche. Aber natürlich kenne ich das, keine Frage. Dadurch, dass ich damals in den „Twilight“-Filmen mitgespielt habe, sind solche Gedanken in mir sogar sehr viel fester verankert als es gesund ist. Damals stand in ganz vielen Kritiken immer wieder etwas über mein Aussehen. „Der rapide alternde Robert Pattinson“ und solche Sachen. Wenn du so etwas ständig liest, geht das nicht spurlos an dir vorbei.

Sie sind vermutlich ohnehin froh, dass die „Twilight“-Zeiten vorüber sind, oder?

Ach, so würde ich das gar nicht sagen. Mir gefällt der Gedanke eigentlich ganz gut, dass es immer noch viele Menschen gibt, für die diese Filme eine große Sache sind. Auch weil sie dann eine Art Referenz für meine anderen Rollen haben. Früher habe ich lange gedacht, dass dieser Edward Cullen eine Rolle ist, die ich unbedingt abschütteln muss. Heute habe ich verstanden, dass es viel mehr eine gute Sache ist, dass ich die Zuschauer immer wieder aufs Neue überraschen kann, weil sie immer noch „Twilight“ im Kopf haben und dann etwas vollkommen anderes zu sehen bekommen.