Eine Nebenrolle in der gefeierten Gefängnis-Serie „Orange Is The New Black“ veränderte alles: Laverne Cox wurde mit einem Schlag berühmt. Als erster transsexueller Mensch zierte die Amerikanerin das Cover des legendären Time Magazine. Wir trafen sie im Berliner Hotel Adlon.

Als die Transsexuelle Caitlyn Jenner kürzlich mit ihrem Vanity Fair-Cover für Aufsehen sorgte, haben Sie mit einem bewegenden Kommentar in Ihrem Blog darauf reagiert. Warum war Ihnen das so wichtig?

Mir war klar, dass ich ohnehin danach gefragt werden würde. Und natürlich fühle ich inzwischen auch eine gewisse Verantwortung mich zu äußern, wenn es in der Öffentlichkeit um das Thema Transsexualität geht. Das ist Teil meines Jobs geworden. Allerdings wollte ich das auf durchdachte Weise tun. Also habe ich etwas geschrieben, für das ich meine ganz persönlichen Gefühle, Gedanken und Erfahrungen herangezogen habe.

Öffentlich Stellung zu beziehen sehen Sie als Teil Ihres Jobs?

Unsere Gesellschaft muss noch so viel lernen in Sachen Transsexualität, und mir ist ein Anliegen und ein Bedürfnis, den Leuten diesbezüglich auf die Sprünge zu helfen. Trotzdem ist mein Hauptberuf und das, was ich am meisten liebe, die Schauspielerei. Und ich muss immer ein bisschen aufpassen, zwischen diesen beiden Dingen nicht die Balance zu verlieren.

Nervt es manchmal, immer auch diese Vorbildfunktion übernehmen zu müssen?

Repräsentieren kann ich nur mich, niemanden sonst. Schon gar nicht eine ganze Community. Aber davon genervt zu sein, wäre doch Zeitverschwendung. Es ist nun mal wie es ist. Akzeptanz ist in dieser Phase meines Lebens die Antwort auf alle meine Probleme. Also akzeptiere ich auch diese Aufgabe. Und fühle mich wirklich gesegnet, wenn ich mir mein Leben heutzutage im Vergleich zu vor drei Jahren angucke.

Wie sah es denn damals aus?

Ich konnte kaum meine Miete zahlen und kämpfte ums Überleben. Ich war sicher, dass meine Schauspielkarriere vorbei ist, aber selbst als Kellnerin kam nicht genug herum. Der Berg der unbezahlten Rechnungen wurde immer größer. Eigentlich war ich schon so weit, alles hinzuschmeißen und zurück an die Uni zu gehen. Doch dann tauchte „Orange Is The New Black“ am Horizont auf. Und als ich irgendwann erkannte, dass ich mich um das Allgemeinwohl verdient machen will, wurde es endgültig besser. Heute fühle ich mich privilegiert – und weiß, dass damit auch eine Verantwortung einhergeht.

++ Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie sich Cox' Leben verändert hat, seitdem sie auf dem Cover der "Time" zu sehen war ++