Marco Wanderwitz tritt die Nachfolge von Christian Hirte als Ostbeauftragter der Bundesregierung an.
Foto: dpa/Marco Wanderwitz

BerlinDie AfD-Fraktion im Bundestag hat ihn prompt als „Hassprediger“ diffamiert. Doch den neuen Ostbeauftragten Marco Wanderwitz, 44, beeindruckt das wenig. Er positioniert sich deutlich gegen rechts. Das will er auch in seiner künftigen Funktion nicht abschwächen. Im Gegenteil.

Herr Wanderwitz, Sie sind der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung und haben sich nach eigener Aussage die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auf die Fahnen geschrieben. Ist das denn wirklich nur ein Ostproblem?

Es ist natürlich ein gesamtdeutsches Thema. Im Osten ist das Problem aber viel virulenter, weil es mehr in die Fläche geht. Man könnte sagen, Westdeutschland ist ein starkes Gebiet mit Inseln der Schwäche, der Osten eher ein schwaches Gebiet mit Inseln der Stärke. Außerdem gibt es noch spezielle Ostprobleme.

Welche meinen Sie?

Zum Beispiel die ganzen Fragen, die mit dem Komplex SED-Unrecht zusammenhängen. Und dann die Probleme mit dem Ausstieg aus der Braunkohle. Gut, die gibt es im Westen auch, in der Lausitz ist das natürlich viel verschärfter.

Ist der Rechtsextremismus ein speziell ostdeutsches Problem?

Meine Wahrnehmung ist, dass in Westdeutschland die Grundsätze der politischen Hygiene besser ausgeprägt sind als in Ostdeutschland. Das ist aber auch kein Wunder, da die politische Entwicklung ja 40 Jahre lang ganz unterschiedlich war.

Was haben Sie vor, um auch da die Lebensverhältnisse anzugleichen?

Ich stelle mir ähnliche Veranstaltungsformate vor, wie sie unser sächsischer Ministerpräsident Michael Kretschmer auch schon entwickelt hat. Wir haben beim Jubiläum zu 30 Jahre Deutsche Einheit auch schon einiges aufgelegt, das man noch vertiefen könnte. Ich setze auf die Wirkmächtigkeit des Wortes.

Sie wollen mit den Rechten reden?

Mit Rechtsradikalen diskutiere ich nicht. Aber ich rede mit allen, die überlegen, aus Protest eine rechte Partei zu wählen, um ihnen zu erklären, dass das keine Lösung ist.

In den sozialen Medien schlägt Ihnen regelmäßig auch viel Hass entgegen. Wie gehen Sie damit um?

Ich betrachte das gewissermaßen aus den Augenwinkeln. Sobald ich ein, zwei Sätze gelesen habe, lösche ich solche Hassmails sofort. Ich will einfach nicht zu viel Lebenszeit damit verschwenden.

Sie äußern sich auch viel auf Twitter. Ist das ein wichtiger Kommunikationskanal für Sie?

Ich finde, jeder moderne Politiker sollte sich zumindest in einem der sozialen Medien bewegen. Ich habe mich seinerzeit für Twitter und gegen Facebook entschieden, weil auf Twitter die Niveaulosigkeit etwas weniger ausgeprägt ist als bei Facebook.

Eine Schadensabwägung also? Auf Twitter haben Sie ja auch genug damit zu tun, rechte Accounts zu blockieren.

Ja, das nervt wirklich, vor allem, wenn man sieht, wie viele einem mit Fakeaccount trollen. Jeden Tag blockiere ich jemanden, der mit seinen zwanzigsten Account, der null Follower hat, Hass-Tweets an mich schickt. Ich bleibe aber trotzdem auf Twitter und werde mich weiter ganz klar gegen rechts positionieren.